In Wall Street und in der Londoner City geht der "Rubel Sputnik" um. Falls Ihnen dieser neue Klabautermann der internationalen Hochfinanz noch kein Begriff sein sollte, so wollen wir zur Erklärung der bekannten Finanzexpertin der "New York Post", Sylvia Porter, das Wort geben:

"Auf den Börsenplätzen der Welt geht beharrlich das Gerücht um, daß die Sowjetunion sich darauf vorbereite, einen finanziellen Sputnik abzuschießen", schreibt Frau Porter. Man versteht darunter eine aufsehenerregende Währungsreform, durch die das Prestige des sowjetischen Rubels mit einem Schlag gewaltig erhöht würde, während gleichzeitig der amerikanische Dollar in den Augen der Welt entsprechend abgewertet würde.

Was die Russen nach Sylvia Porter im Sinne haben, wäre nichts weniger, als in Moskau einen freien Goldmarkt für Ausländer zu errichten, auf dem jeder Nicht-Sowjetbürger beliebige Mengen Barrengold zu dem Weltmarktspreis von 5 Dollar je Unze erwerben könnte. Gleichzeitig plane die Sowjetunion, den Rubel nach außen hin auf Goldbasis zu stellen und ihn innerhalb des Satellitenraums frei konvertierbar zu machen.

Soweit Frau Porter, die das Unheil schon in etwa einem halben Jahr kommen sieht – vielleicht sogar noch früher.

Es ist nicht leicht, die Geheimnisse des Kremls zu ergründen, und es Mit daher auch schwer, in diesem Falle ein begründetes Urteil darüber abzugeben, ob und inwieweit die angeführten Gerüchte zutreffen. Möglicherweise handelt es sich auch beim "Rubel Sputnik" derFrau Porter um einen Versuchsballon; denn die Amerikaner, die zur Zeit ungewöhnliche Währungssorgen haben, sind daran interessiert, in Erfahrung zu bringen, was die Gegenseite im Schilde führt.

Jedenfalls sprechen eine Reihe feststehender Tatsachen dafür, daß die Russen eine derartige Währungsoperation durchführen könnten, wenn sie wollten, und da es nun einmal ein Grundpfeiler des sowjetischen Bestrebens ist, "es den Amerikanern zu zeigen", ist die Möglichkeit eines sputnikhaft am Finanzhimmel aufsteigenden Goldrubels nicht so leicht von der Hand zu weisen.

Drei Tatsachen sind es vor allem, die man zur Beurteilung der Lage im Auge behalten muß: