Von Dino Buzzati

Arme kleine Able. Alle hatten behauptet, daß es dir nach der schrecklichen Reise an Bord des "Jupiters" ausgezeichnet ginge. Zwischen den Zeilen der offiziellen Kommuniqués spürte man die Genugtuung der Techniker, die der Welt zurufen konnten: "Keine Angst, vielleicht wart ihr über die beiden Äffchen etwas besorgt, aber das war vollständig unnötig. Hier sind sie, die Reisenden, wohlbehalten, vergnügter und munterer als je zuvor, bestaunt sie ruhig, laßt euch bitte alles von ihnen berichten, ihr könnt nur daraus lernen." (Und die beiden Chirurgen waren, sich gegenseitig die Hände schüttelnd, aus dem Operationssaal gekommen, denn der Eingriff war vollkommen gelungen, der Kranke gerettet, wenn nicht schon fast geheilt. Aber allen Erwartungen zum Trotz, hatte Able die Rücksichtslosigkeit das angetan: zu sterben.

Bist du dir bewußt geworden, kleine Able, daß du damit den berühmten Wissenschaftlern ein böses Schnippchen geschlagen hast? Sich einfach so davonzumachen! Eine wirkliche Bosheit.

Du verkörpertest ihren Sieg. Deswegen wurdest du von allen Seiten photographiert, wurden viele Pressekonferenzen abgehalten. Und nach soviel Ehrungen, nach soviel Ruhm hast du ihnen das angetan: zu sterben.

Und dabei war es dir doch so gutgegangen! Berühmte Veterinäre hatten deine perfekte Gesundheit nach dem Flug in eine Höhe von 500 Kilometern und dem Absturz in 500 Kilometer Tiefe bestätigt. Die Beschleunigung und der Verlust der Schwerkraft hatten dich, nach ihrem Gutachten, nicht im geringsten gestört, und du wirst mir beistimmen, daß diese gelehrten Männer immerhin etwas mehr von der Sache verstanden als du. Du warst die Gesundheit selbst, es war eine Freude, dir zuzusehen, wie du Grimassen schnittest. Und nun bist du einfach gestorben.

Warum? Wegen einer ganz banalen Elektrode, die unter deiner Haut angebracht war, wegen einer ganz lächerlichen Kleinigkeit also. Denn was ist schon eine Elektrode für so ein tüchtiges Äffchen, wie du es warst? Nicht der Rede weit. Aber du bist dennoch im entscheidenden Augenblick desertiert und hast ihr großes Fest gestört.

Ob du wohl ahntest, was für ein Unheil du damit anrichten würdest? Ich weiß, du hast es nicht aus bösem Willen getan, wir möchten dir keine Schuld geben, armes kleines Äffchen. Vielleicht hättest du versucht, doch noch eine Weile standzuhalten, wenn dir die Wichtigkeit deiner Mission klar gewesen wäre. Vielleicht hättest dumit mehr Begeisterung gegen Schmerz und Angst gekämpft. Wir hätten dann ruhig und zufrieden bleiben können, während dein kleiner steifer Körper und deine weitaufgerissenen Augen und deine mageren verkrampften Beinchen jetzt von einer schrecklichen Beredsamkeit sind.