Was aber die Jugend betrifft und die alte Tatsache, daß man sie im "Lateinischen Viertel" bunt gemischt sieht – weiß und schwarz und gelb –, so muß man aus dem freundlichen Durcheinander eine Gruppe herausnehmen, die gar nicht so unbeschwert ist, wie es den Anschein hat. Diese "Gruppe" fiel mir auf, als ich die wiederkehrende Wendung "Vor Algier" oder "Nach Algier" hörte; und gemeint ist, daß ein junger Mann, der den "schmutzigen Krieg" in Afrika kennengelernt hat, ein anderer Mensch geworden ist.

Freilich trifft man radikale Nationalisten unter ihnen, die es de Gaulle übelnehmen, daß er nicht gaullistisch genug ist, und die mit Argwohn, ja, mit der Miene überheblicher Verbitterung das "Chaos studentischer Internationalität" beäugen, wobei sie gern den Satz im Munde führen, daß es hanebüchener, selbstmörderischer Unfug sei, Arabern und Negern die Tore zu den Vorlesungen zu öffnen: "Man schult doch nicht die späteren Rebellen im eigenen Lande!"

Die meisten jungen Männer aber haben "nach Algier" den Vorsatz, es mit dem Studium oder ihrer Arbeit ernster zu nehmen als "vor Algier". "Dieser Vorsatz", so sagte einer von ihnen, ein junger Ingenieur, "läßt den intellektuellen Nihilismus verkümmern und ruft eine neue Bürgerlichkeit nach Väterart hervor." – "Und eure Existentialisten, sie verkümmern also?" – "O je", erwiderte er, "die ‚Existos‘", und sprach sich nicht weiter aus.

(Wird fortgesetzt)