Beim Treffen in Köln: Erinnerungen an Tobruk – und noch immer suchen die Mütter

Von Heinz Stuckmann

Köln, im Juni

In der vergangenen Woche klebten an den Reklametafeln der Zufahrtsstraße zur Kölner Messe neue Plakate: "Ohne Furcht der Freiheit dienen – 3. Heimkehrer-Treffen Deutschlands – Köln 13. und 14. Juni" 150 000 Heimkehrer sollten nach Köln kommen. Zehn große Messehallen und das weite Freigelände hinter dem Deutzer Bahnhof standen bereit. Und ein Mitarbeiter des "Verbandes der Heimkehrer" sagte: "Es wird eine ganz große Sache..."

Es begann am Freitagabend, dem 12. Juni, mit einem "stillen Gedenken für alle unfreien Deutschen" am Kriegsgefangenen-Mahnmal, das am Südturm des Domes liegt. Die Polizei hatte die Straße gesperrt. Sie hätte sich die Arbeit sparen können.

Um 20.30 Uhr hatten sich 250 Männer und Frauen versammelt. Der breite Bürgersteig konnte die dreifache Menge fassen. "Warten wir noch was", sagte jemand und schaute auf die Uhr. Aber es kam niemand mehr. Um 20.35 Uhr spielte das Polizeimusickorps Köln Freiheit, die ich meine. Sechzehn Fackelträger standen ehern. Die Leute in den ersten Reihen bekamen den Husten, denn der Fackelqualm trieb ihnen ins Gesicht. Zwei Dutzend Männer und Frauen legten Blumen nieder. An der Gedenktafel mit der Inschrift "Noch warten Kriegsgefangene auf ihre Heimkehr" war mit Draht ein Sperrholzbrett befestigt: "Noch warten 70 Millionen Deutsche auf ihre Wiedervereinigung." Ein Journalist meinte: "Die Holzplatte wird länger halten müssen als die Bronzeplatte..."

Um 20.45 Uhr war der Platz wieder leer. Auf einem Sandhaufen der Dombauhütte brannten qualmend sechzehn Fackeln ab. An der Domtreppe strahlte der längst ergraute Bursche von einst, sichtlich und hörbar aus Oberbayern, der seinen Herrn Hauptmann wiedergefunden hatte: "Wissen Herr Hauptmann noch, damals in..." Der Herr Hauptmann, nunmehr in schlichter Konfektion, wußte noch. "Na, Alois, gehen wir einen trinken." – "Jawoll, Herr Hauptmann", strahlte Alois und schlug knallend die Hacken zusammen.