Von Friedrich Linnenberg

Fast gleichzeitig erschienen auf dem deutschen Büchermarkt zwei wohlfeile Schul- und Hausatlanten:

Hermann Lautensach: "Atlas zur Erdkunde"; Keysersche Verlagsbuchhandlung, Heidelberg; 168 S., 19,80 DM,

"Diercke – Weltatlas"; 89. Auflage, bearbeitet von Richard Dehmel; Georg Westermann Verlag, Braunschweig; 168 S., 19,80 DM.

Gleich sind bei den Werken nur Kartenseitenzahl und Preis. Schon in den Abmessungen der Buch- und Blattformate beginnen dagegen die Unterschiede. Lautensachs Atlas, ein grüner Leinenband mit Goldaufdruck, besitzt gegenüber dem größeren "Diercke" nur ein handliches Mittelformat (DIN A 4).

Vom Leitgedanken leichter Vergleichbarkeit beherrscht ist der Maßstabsaufbau, der die Reihe von 1 : 1,25 Mill. bis 1 : 80 Mill. nutzt. Eindrucksvolle Formenbilder des Reliefs, vor allem in den Hochgebirgsbeispielen der Nebenkarten, werden durch die Kombination dreier Darstellungselemente erzielt: farblich reich differenzierte und freundlich aufgehellte Stufenschichten (bis zu 12 Höhenstufen, 6 Tiefenstufen) sind auf den Festländern durch feine, zartgraue Höhenlinien voneinander abgegrenzt und mit einer sorgfältig durchgearbeiteten Geländeschummerung versehen. Musterbeispiele der angewandten Farbenpsycholcgie sind bei den sogenannten thematischen Kartei zu finden. Zarte, von einer rücksichtsvollen Graphik durchwaltete Tönungen vereinigen sich zu einem wundervollen Zusammenklang.

Den Inhalt hat der bekannte Länderkundler und Atlasbearbeiter Professor Dr. Dr. h. c. Hermann Lautensach (Stuttgart) bestimmt. Seins Verdienste um die Geographie wurden übrigens erst kürzlich durch die Verleihung der Goldenen Alexander-von-Humboldt-Medaille gewürdigt. In seinem Atlas hat das geographische Weltbild der Gegenwart eine ästhetisch vorbildliche Gestalt gewonnen.