Im Aufbau des deutschen Sparkassen-Systems nehmen die Girozentralen die Mittelstufe ein. Ihre Größe, wie sie im Bilanzvolumen zum Aus druck kommt, wird weniger durch die eigene Initiative als durch ihre Geschäftsbereiche und die Struktur der Bezirke bestimmt. Es ist deshalb nur natürlich, wenn die Bilanzendsummen der drei Girozentralen, die in den letzten Tagen ihren Geschäftsbericht vorgelegt haben, unterschiedlich sind; sie beträgt bei der Niedersächsischen Landesbank und Girozentrale 1,8 Mrd. DM, bei dem hessischen Schwesterinstitut 3,7 Mrd. DM und bei der Rheinischen Girozentrale, Provinzialbank, 5,1 Mrd. DM.

Die innere Geschäftsstruktur der drei Institute wird zwar von regionalen Momenten beeinflußt, ist aber im großen und ganzen gleichartig. Die allgemeinen kreditpolitischen Gegebenheiten, vor allem die Liquidität des Bankenapparates und die erfreuliche Spartätigkeit der Bevölkerung, haben sich überall ausgewirkt. Sie haben zu einer Erhöhung der Einlagen geführt. In Niedersachsen sind sie um 17 v. H., in Hessen um 22 v. H. und im Rheinland um 20 v. H. angestiegen. Die Sparkassen vermochten offenbar die ständig bei ihnen anwachsenden Guthaben nicht im eigenen Bereich voll anzulegen. Sie haben wesentliche Beträge in ihre Girozentralen verlagert, die diese Gelder annehmen müssen, weil es ihre Aufgabe ist, für einen Ausgleich zwischen den Sparkassen Sorge zu tragen; vor allem aber auch, um kurz- und mittelfristige Finanzierungen durchzuführen, wie sie dem Charakter einer Staatsbank oder Provinzialbank entsprechen. Der Aufgabenbereich dieser Institute wird nicht nur durch kaufmännische Überlegungen, sondern auch durch politische Erwägungen (wie Wirtschaftsförderung, Eigentumsbildung) bestimmt; insbesondere aber fördern diese Banken Vorhaben, die im öffentlichen Interesse liegen.

Soweit die überschüssigen Mittel von den Sparkassen nicht im Bereich der Girozentralen angelegt werden, werden sie an die Deutsche Girozentrale als dem Spitzeninstitut der deutschen Sparkassen weitergeleitet. Dabei geht es, bei der gegenwärtigen Bankenliquidität, um sehr große Beträge. Entsprechend sind in den Bilanzen aller Girozentralen die Nostroguthaben, vor allem mit Laufzeiten und Kündigungsfristen von drei Monaten und mehr, erheblich angewachsen; die Finanzkraft der Deutschen Girozentralen hat das naturgemäß erheblich verstärkt. Sie bietet heute den deutschen Sparkassen einen außerordentlichen Liquiditätsrückhalt, was ja auch ihre Funktion ist.

Die Girozentralen der Mittelstufe, die in ihrem Namen gleichzeitig die Bezeichnung Landesbank oder Provinzialbank führen, betreiben nicht nur das kurzfristige, sondern auch das langfristige Kreditgeschäft. Sie nehmen langfristige Darlehen auf und emittieren selbst Schuldverschreibungen, Pfandbriefe und Kommunalobligationen. Dabei handelt es sich – Darlehen und Schuldverschreibungen zusammengerechnet – ebenfalls um sehr große Beträge. Bei der Niedersächsischen Landesbank waren es Ende des Jahres fast 900 Mill. DM; die Hessische Landesbank hat die Milliardengrenze bereits überschritten und die Rheinische Provinzialbank vermag in ihrer Bilanz langfristige Verpflichtungen in einem Betrage von über zwei Mrd. DM auszuweisen. Ein wesentlicher Teil der langfristigen Mittel wird von den Instituten als Kommunaldarlehen herausgelegt, vor allem an solche Gebietskörperschaften, die nicht selbst an den Kapitalmarkt herantreten können. Die Girozentralen erweisen sich damit als eine der wichtigsten Stützen des kommunalen Kredites. Sie unterstützen weiterhin in hervorragender Weise – dies gilt vor allem von dem hessischen und dem rheinischen Institut – den Wohnungsbau, ein Geschäft, das die Niedersächsische Landesbank offenbar mehr den anderen in ihrem Bereich ansässigen Realkreditinstituten, wie z. B. der Braunschweigischen Staatsbank, überlassen hat. Dem Gedanken der Förderung der Eigentumsbildung entspricht es auch, daß alle drei Institute Abteilungen unterhalten, die ausschließlich dem Bauspargedanken dienen. Der Vertragsbestand schwankt bei den einzelnen Instituten nicht allzusehr. Die Milliardengrenze wurde in allen drei Fällen weit überschritten. W. R.