DIE ZEIT

...wie man Präsident wird

Das hohe Amt des Bundespräsidenten, das höchste im Staat, wurde diesmal zum ersten, zum zweiten, zum dritten ausgeboten. Der Hammer fiel: Zuschlag für Lübke.

Der 17. Juni

Es verschlägt einem die Sprache, wenn man an jenen 17. Juni des Jahres 1953 denkt und sich dann die deutsche Situation heute, im Juni 1959, vergegenwärtigt.

Bonns Europäer

Dem Streit zwischen Bundeskanzler Adenauer und Bundeswirtschaftsminister Erhard liegt auch (und nicht zuletzt) eine Meinungsverschiedenheit in einer rein sachlichen Frage zugrunde.

Indiens falsche Märtyrer

Tausende von Demonstranten zogen am Freitag durch die Straßen von Trivandrum, der Hauptstadt des südindischen Bundesstaates Kerala.

Hart bleiben

Fünf Wochen nach Beginn der Genfer Konferenz steht die Diskussion zwischen West und Ost wieder annähernd dort, wo sie schon vor einem Vierteljahr stand.

Fürst Metternich

Zwischen den Schlachten von Magenta und Solferino, die sein italienisches Werk und seine österreichische Mitteleuropa-Konzeption zerbrachen, ist er vor hundert Jahren gestorben: Clemens Wenzel Lothar Fürst von Metternich, der fast vierzig Jahre lang die Geschicke Österreichs – und Europas – in seinen Händen hielt.

Algerien vor der Kammer

Die Algeriendebatte der letzten Woche war die Feuertaufe der Kammer der Fünften Republik. Man kann nicht sagen, daß sie sich dabei besondere Lorbeeren geholt hätte.

ZEITSPIEGEL

Gromykos Forderung, in Westberlin dürften keine Atom- und Raketenwaffen aufgestellt werden, ist – wie in Genf verlautet – auf ein von den Russen ernstgenommenes scherzhaftes Gerücht aus der Maison de la Presse zurückzuführen.

Raketenbasen unter Wasser

Im Waffenarsenal des Atomkrieges wird bald eine neue Waffe ihren festen Platz haben: Das Raketen-U-Boot. Das erste amerikanische Schiff dieses Typs, die George Washington, ist jetzt vom Stapel gelaufen.

Schlagworte unter der Lupe

R. N. Carew Hunt, einer der bedeutendsten Kenner des internationalen Kommunismus, lehrt am St. Antony’s College in Oxford. Bekannt geworden ist er vor allem als Autor der Bücher "Theory and Practice of Communism"‚ das kürzlich in der fünften Auflage herauskam, und "Marxism, Fast and Present", das sich mit der ideologischen Entwicklung des Kommunismus von Marx bis heute befaßt.

Der unterbliebene Befehl

Man hat in Bonn und auch bei der deutschen Delegation in Genf nach einem Zeichen von alliierter Seite Ausschau gehalten, ob man dort gegen die Abhaltung der Bundesversammlung in Berlin Bedenken habe.

Großmacht durch die große Bombe?

In dem von Paris angezettelten westlichen Bruderzwist ist jetzt vom NATO-Oberbefehlshaber Norstad auf einen groben Klotz ein grober Keil gesetzt worden: Der General hat seine Absicht mitgeteilt, die rund 200 bislang in Frankreich stationierten amerikanischen Düsenjagdbomber des Typs F 100 von Frankreich nach England zu verlegen.

Kanzler-Prozente

Im Auftrag der ZEIT hat eines der großen westdeutschen Meinungsforschungs-Institute eine Repräsentativumfrage über die Einstellung der Bevölkerung im Bundesgebiet und in Westberlin zum Rücktritt Adenauers von der Präsidentschaftskandidatur angestellt.

Österreichs Erhard

Im Schatten der dramatischen Ereignisse, die in der deutschen Bundesrepublik mit der Wahl eines Staatsoberhauptes verknüpft waren, hat sich in Österreich eine eigenartige "Malaise" eingestellt, aus der sich große, noch unübersehbare Veränderungen ergeben können.

Sizilien reagierte sizialinisch

Das Triumphgeschrei, das die italienischen Kommunisten und Sozialisten über den unerwartet großen Erfolg der von Silvio Milazzo, einem Großagrarier, geführten bourgeoisen "Rebellenbewegung" gegen die Democrazia Cristiana bei den sizilianischen Landtagswahlen angestimmt haben, kann über ein wichtiges Faktum nicht hinwegtäuschen: Der Versuch des KP-Chefs Togliatti, Sizilien in eine autonome rote Inselrepublik zu verwandeln, ist im ersten Anlauf gescheitert.

Hamburg: "Woyzeck, Er denkt zuviel!"

Die Buchhandlung im Hamburger Ausflugsvorort Rissen hat einen neuen Bestseller. Auf dem Ladentisch an sichtbarer Stelle präsentiert wie der neueste zornige junge Mann" ist dort ein Autor, der 1813 geboren wurde und 1837 starb: Georg Büchner, Dichter zweier Tragödien (Dantons Tod und Woyzeck), eines Lustspiels (Leonce und Lena) und des Novellenfragments Lenz.

Berlin: Ostberliner "Enthüllungs"-Panne

Seitdem sich die Pankower Funktionäre von den Gastgebern der Genfer Konferenz sagen lassen mußten, daß sie auf dem Parkett internationaler Pressekonferenzen nicht salonfähig sind, setzen sie die Hetze gegen Westberlin dort fort, wo sie sich durch keinerlei Rücksichtnahme auf gute Manieren behindert wissen: im Ostsektor der deutschen Hauptstadt.

"Geschlossen, betreffs Hochzeit"

An der Ladentür des Metzgers in einem Dorf bei Stuttgart ist ein Schild befestigt: "Unserer vierten Kundschaft zur Kenntnis, daß der Laden am Samstag nur bis 13 Uhr geöffnet ist, betreffs Hochzeit.

Abschied von Able

Arme kleine Able. Alle hatten behauptet, daß es dir nach der schrecklichen Reise an Bord des "Jupiters" ausgezeichnet ginge.

Wer oder was Ist ein guter Europäer?

Ungern sieht man ein Kapital, von dem (und für das!) anständige Leute zweitausend Jahre lang gelebt haben, in kleiner Münze unter die Leute gebracht, in wenigen Jahren vergeudet.

Die sogenannten Glückspillen

Sie ist sehr vorlaut, jeden Tag, bei jeder Gelegenheit. Sie ist die Formel eines Universalrezepts. Theologen, Philosophen, sogar Ärzte verordnen geistige Bewältigung.

Nr. 13 vom 13. Juni 1949: Kürbis und Engel

Wenn ich das Kratzen der Trommel, die Bauschutt mahlt, in Reime bringe, werde ich zur Stunde bestimmt gedruckt, und Kritik nennt sich heute das Geschrei derer, die Waldesrauschen und Nacht und Einsamkeit für Gipsbegriffe erklären.

Schiller und Haydn erblassen

Wien liegt in den Festwochen. Musik und Theater überpurzeln sich, im Konzerthaus (wo das Internationale Musikfest stattfindet) regiert die Avantgarde, in der Staatsoper die Arriere-Garde, Haydn und Schiller feiern gleichzeitig Jubiläen, so daß die Festredner vermutlich in ihren Anzügen schlafen müssen.

Dr. Grantly Dick-Read †

Noch liegen Briefe, Aufsätze und Vorträge von Grantly Dick-Read unbeantwortet auf meinem Schreibtisch. Wir hofften, daß der Verfasser in Kürze wieder einmal bei uns in Hamburg sein würde.

Welchen Ansprüchen können Universitäten genügen?

Radikale Lösungen kann man also in der augenblicklichen Lage mit gutem Gewissen nicht empfehlen. Man muß vielmehr versuchen, zunächst im vorhandenen Rahmen die Verhältnisse zu verbessern und Schritt für Schritt einen allmählichen Umbau des Studiums, des Unterrichts, des Auslese- und Prüfungswesens zu beginnen.

Unsere Sprache:: Lohnenswert

Es ist lohnend, einmal darauf achtzugeben, wie viele Menschen, die sich für intelligent, gebildet und sprachgewandt halten und die auch von anderen für dies alles gehalten werden, heute die unmöglichsten Dinge lohnenswert finden.

Jetzt wieder leichter Frost

Kürzlich fand im Kreml der dritte sowjetische Schriftstellerkongreß statt. Als Sprecher des Staatsapparates trat A. Surkow auf.

Felicitas Girod:: Impressionen (III)

Über der Theke hängt eine Beleuchtungsplatte mit aufgereihten Flaschen. Unter den Kübeln mit Eis gestapelte Konserven und ein Plastik-Eimer mit rotem Saft.

ZEITMOSAIK

Für die verstorbenen Mitglieder Karl Reinhardt und Hermann von Kühl wurden zwei Wissenschaftler neu in den Orden "Pour le mérite" gewählt: Professor Dr.

Kräftiger Wind in Bonn

In Bonn weht zuweilen ein kräftiger Wind. So kräftig ist dieser Wind, daß in den Grünanlagen und Straßen zwei Männer ausschließlich damit beschäftigt sind, umherfliegende Blätter und Papierfetzen mit Hilfe von spitzen Stöcken aufzuspießen, auf daß die Sauberkeit im Bonner Regierungsviertel unter allen Umständen gesichert werde.

Die Welt im Atlas

Gleich sind bei den Werken nur Kartenseitenzahl und Preis. Schon in den Abmessungen der Buch- und Blattformate beginnen dagegen die Unterschiede.

Paul Eluard:: Dein Glaube

Paul Eluard (1895–1952) erwartet vom Leser, daß er, auf Logik und konsequente Behandlung eines Themas verzichtend, eingehe auf scheinbare Willkür der Assoziationen.

Müssen Männer so sein?

Da es zu den Zeiten des alten (Ford) T-Modells noch kein Frostschutzmittel gab, ließ, wer den T fuhr, wenn die Nacht kalt wurde, am Abend das Kühlwasser ab, und am nächsten Morgen war es sein erstes, den Kühler mit heißem Wasser zu füllen, die Haube zu öffnen und heißes Wasser über Verteiler und Vergaser zu gießen .

Hüterin der Ballett-Tradition

Agrippina Jakowlewna Waganowa, Stalinpreisträgerin und Volkskünstlerin der UdSSR (1879 bis 1951), war Professor der Ballettpädagogik in Leningrad.

Als die Oberhemden noch Schlaufen hatten

Eine Frau, die ihrem zweiten Mann dauernd von ihrem Verflossenen vorschwärmt, ist taktlos, Ein Kritiker, der sich fortwährend auf die Vergangenheit beruft, ist auch nicht taktvoll – aber er bat recht.

Auch die Konjunktur wird getestet

Der Zufall steht am Spieltisch – auch am Spielfeld der Wirtschaft. Ist es der Zufall oder entwickelt sich alles nach einem Gesetz? Wenn "Gesetze" gelten, dann müßte sich die Zukunft berechnen lassen, dann müßte der Spieler wissen, daß er nach dem soundsovielten Einsatz auf "rouge" einmal gewinnen wird, dann müßte der Unternehmer errechnen können, daß 1970 nicht jeder vierte, sondern jeder zweite Haushalt seinen Kühlschrank besitzt und seine Firma ihre Produktionsanlagen noch wesentlich vergrößern kann.

Tag X bleibt geheim

Die wirtschaftliche Vereinigung der Saar mit dem übrigen Bundesgebiet soll nach dem Willen der Väter des Saarvertrags spätestens am 31.

Was der Verbraucher nicht weiß

Vor nunmehr 40 Jahren, im Frühjahr 1919, ist – unter dem Vorsitz des Berliner Textilkaufmannes Heinrich Grünfeld – die "alte" Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels geschaffen worden.

War es ein Strohfeuer?

Strohfeuer oder dauerhafte Besserung? Das ist die Frage, die sich nicht nur die Regierung, sondern auch die Wirtschaft angesichts der im Mai eingetretenen, ganz erheblichen Besserung der französischen Handelsbilanz stellt.

ZEIT-RAFFER

Aus der Textilindustrie, die lange Zeit im Konjunktur-Schatten stand und zu den großen Sorgenkindern der amtlichen Wirtschaftspolitik gehörte, kommen zunehmend Nachrichten, die auf eine allmähliche Entspannung der Lage hindeuten.

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