Tausende von Demonstranten zogen am Freitag durch die Straßen von Trivandrum, der Hauptstadt des südindischen Bundesstaates Kerala. Eine schwarze Fahne flatterte an der Spitze des Zuges, und Sprechchöre forderten den Rücktritt der Regierung – der einzigen kommunistischen Landesregierung in Indien. Die Opposition hatte zum Generalstreik und zum "gewaltlosen Widerstand" aufgerufen, um die Kommunisten zum Rücktritt zu zwingen. Es blieb aber nicht bei der Gewaltlosigkeit. Bald kam es zu Zusammenstößen, und am Montag feuerte die Polizei auf die Demonstranten.

Den Anstoß für die Unruhen gab ein Gesetz, das der Regierung die Kontrolle der öffentlichen und privaten Schulen übertrug. Die Opposition unter Führung der Kongreßpartei befürchtet, daß die Kinder fortan kommunistisch erzogen werden; daß die Kommunisten Lehrer aus den niedersten Kasten zum Unterricht an allen Schulen herangezogen haben, machte aber fast noch mehr böses Blut. Also zogen vor den Schulen Streikposten auf, die Regierung aber erklärte, sie werde den Schulbesuch notfalls mit Gewalt sicherstellen.

In Neu-Delhi verfolgt man die Vorgänge im Lande Kerala mit geteilten Gefühlen. Daß eine demokratisch gewählte kommunistische Regierung auf undemokratische Weise gestürzt werden soll, wird zwar als amüsante geschichtliche Ironie empfunden, aber die Sorge über das undemokratische Vorgehen wiegt doch weit schwerer. Nicht umsonst hat Nehru die Bewohner von Kerala ermahnt, sich nicht zu Gewalttaten hinreißen zu lassen. Auf jeden Fall aber will die indische Regierung eins verhindern: nämlich, daß die Kommunisten in die Rolle demokratischer Märtyerer gedrängt werden. R. Z.