Es ist lohnend, einmal darauf achtzugeben, wie viele Menschen, die sich für intelligent, gebildet und sprachgewandt halten und die auch von anderen für dies alles gehalten werden, heute die unmöglichsten Dinge lohnenswert finden. Lohnenswert – das heißt: eines Lohnes wert, einer Belohnung würdig. Nicht etwa von Analphabeten, auch nicht nur von Leuten, die Wert und Gewicht eines Wortes nicht kennen, sondern von Personen und Persönlichkeiten, denen es darauf ankommt, durch ihre Worte zu wirken, muß man wieder und wieder hören, wie lohnenswert es wäre, irgendwo nach Öl zu bohren, das Verkehrsnetz weiter auszubauen, für den Weinkonsum zu werben oder auch ein Staatsarchiv nach gewissen interessanten Handschriften zu durchforschen und so weiter. Sie meinen aber: die betreffende Sache werde dem, der sie betreibe, Gewinn bringen oder Erfolg eintragen, sie werde "sich für ihn lohnen" oder auch, sie trage ihren Lohn in sich.

Wenn es wahr ist, daß die Sprache – oder auch nur das Sprechen – ein unmittelbares Spiegelbild des Denkens ist (und wie sollte es eigentlich nicht wahr sein?), so ist jede derartige Lohnenswürdigkeitserklärung ein Anlaß zu tiefem Erschrecken entweder über die Denkunfähigkeit oder jedenfalls die Denknachlässigkeit von Menschen, die gegebenenfalls folgenschwere Entscheidungen zu treffen haben... A-th