Im Waffenarsenal des Atomkrieges wird bald eine neue Waffe ihren festen Platz haben: Das Raketen-U-Boot. Das erste amerikanische Schiff dieses Typs, die George Washington, ist jetzt vom Stapel gelaufen.

Die Abschreckungsstrategie erschließt eine neue Dimension. Bisher stützte sie sich auf die Bomber der strategischen Luftwaffe und die in Mitteleuropa und in Nahost stationierten Mittelstreckenraketen. Dieses System hat Schwächen. Die Bomber werden in absehbarer Zeit von der Kriegstechnik überholt sein und die Flugplätze ebenso wie die Abschußrampen geraten mehr und mehr in die Reichweite sowjetischer Raketen. Die abschreckende Wirkung aber beruht auf der Annahme, daß die Vergeltungsmacht auch nach einem sowjetischen Raketenüberfall noch einen vernichtenden Gegenschlag führen kann. Die größte Chance, den Überfall ohne Schaden zu überstehen, haben Raketenbasen, die leicht beweglich und schwer zu entdecken sind: U-Boote.

Die "George Washington" wird die erste Raketenbasis unter Wasser sein. An Bord des 5400 Tonnen großen und 115 Meter langen Bootes ist Platz für etwa ein Dutzend Mittelstreckenraketen vom Typ "Polaris". Die Navy hofft, daß das Schiff schon Ende 1960 einsatzbereit sein wird. Andere Raketen-U-Boote werden folgen.

Jules Verne hätte es nicht besser erfinden können: U-Boote, die unter dem Eis der Arktis verborgen auf die Stunde X warten und dann, unter Wasser, tödliche Geschosse abfeuern, auf Ziele, die Tausende von Kilometern entfernt sind. – "Ich hoffe, daß dieses Schiff nie eingesetzt wirdschrieb Präsident Eisenhower in seiner Botschaft zum Stapellauf der "George Washington". R. Z.