Z. Stuttgart

So einfach geht das nicht: in die "Deutsche Demokratische Republik" fahren und sich dort scheiden lassen. Ein Stuttgarter Bürger hat es versucht. Aber das Scheidungsurteil des Kreisgerichts Sömmerda in Thüringen wurde vom Bundesgerichtshof nicht anerkannt.

Der "Auswanderer" war kaum drei Monate in Sömmerda, als er dort die Scheidung von seiner. Frau beantragte, die in Stuttgart zurückgeblieben war. Und in Sömmerda gelang, was in Stuttgart gescheitert war: Die Ehe wurde geschieden. Noch ein Jahr blieb der Mann in Thüringen, dann zog es ihn wieder in die Heimat. Nur eine kurze Reise machte er noch einmal nach Sömmerda und: zwar – um dort zu heiraten.

Aber jetzt erwartete ihn seine erste Frau bei der Rückkehr mit einem Antrag auf gerichtliche Feststellung, daß ihre 1939 in Stuttgart geschlossene Ehe noch bestehe. Und damit war es ans mit der Sömmerdaer Scheidung und der neuen Ehe. "Die Gerichte der sowjetischen Zone waren weder nach dem dort geltenden noch nach dem Recht der Bundesrepublik zuständig, die Ehe der Parteien zu scheiden entschied der Bundesgerichtshof. Der Mann habe vielmehr das Gericht in Sömmerda durch unrichtige Angaben und Vorlage irreführender Bescheinigungen getäuscht. Er habe sich, um die Scheidung zu erreichen, die Zuständigkeit des Kreisgerichts in Sömmerda erschlichen.