Die Rückgliederung der Saar steht jetzt nahe bevor

W. G., Saarbrücken, im Juni

Die wirtschaftliche Vereinigung der Saar mit dem übrigen Bundesgebiet soll nach dem Willen der Väter des Saarvertrags spätestens am 31. Dezember stattfinden. Indessen pfeifen die Spatzen von den Dächern, daß mit einer merklich früheren Rückgliederung zu rechnen ist. Saarbrücken tippt auf den 5. Juli.

In Bonn läuft die Gesetzgebung für die Saar auf hohen Touren. Die saarländischen Kreditinstitute sind für die Umstellung gerüstet. Die Verlegung der Zollgrenzen in Richtung Frankreich ist in vollem Gange, und die Bundesbahndirektion hat beschleunigt Pläne für die Zeit nach dem Tage X ausgearbeitet. Auch die Versendung von DM-Formblättern durch das Postscheckamt Saarbrücken wird als ein Zeichen einer nahe bevorstehenden Rückgliederung gewertet.

Ein französischer Verband hat seine Mitglieder aufgefordert, die Dispositionen auf den 1. Juli abzustellen. Dessenungeachtet ist der genaue Termin weiter ein Geheimnis; und der Bundeskanzler, der das Geheimnis kennt, hat sogar dem saarländischen Ministerpräsidenten keinen klaren Wein eingeschenkt.

Frankreich wird den Tag X unter allen Umständen geheimhalten, um Spekulationen gegen den Franc zu vermeiden. Indessen hat die Saarregierung erklärt, daß eine Geheimhaltung nach der letzten Abwertung keinen Sinn mehr habe. Die Saarwirtschaft lechzt aus Dispositionsgründen nach der Kenntnis des Tages X.

Die Rückgliederung wird im Zeichen einer guten, wenn auch etwas abgeschwächten deutschen Konjunktur erfolgen. Der Saar sind beträchtliche Bundesmittel zugeflossen. Dadurch war es möglich, die Betriebe wettbewerbsfähiger zu machen.