Schon das Geschäftsjahr 1957 hatte der Stolberger Zink AG für Bergbau und Hüttenbetrieb, Aachen, wenig Freude bereitet. Unter den gleichen – erlösschmälernden – Vorzeichen stand auch das Jahr 1958. Das Unternehmen, das sich in Mehrheitsbesitz der Firma Otto Wolff, Köln, befindet, ist wiederum nicht nur gezwungen, die Dividende auf das Aktienkapital von 17,5 Mill. DM zu streichen; darüber hinaus schließt die Bilanz erneut mit einem Verlust ab. Es wird die Anteilseigner der Stolberger Zink AG wenig trösten, daß der Verlust mit 974 958 (4,27 Mill.) DM unter der Vorjahrshöhe geblieben ist. Insgesamt schließt nunmehr die Bilanz mit einem Reinverlust von 5,25 Mill. DM ab.

Zwar ist die Verwaltung der Meinung, daß der Tiefpunkt des konjunkturellen Weges, den das Unternehmen in den vergangenen Jahren zurücklegen mußte, durchschritten sei; aber die Anzeichen sprechen nicht dafür, daß sich die Weltmarktsituation für Blei und Zink, die Haupterzeugnisse der Gesellschaft, schlagartig ändern wird. Im vergangenen Jahre sind die Preise für Blei und Zink gegenüber dem Vorjahr noch weiter abgerutscht, und schon im vergangenen Jahre hatte das Unternehmen begründeten Anlaß, unzufrieden zu sein. Im Durchschnitt des Jahres 1958 konnte die Stolberger Zink AG nur noch Erlöse erzielen, die für Blei auf 84,03 DM und für Zink 77,07 DM je 100 kg ausmachten. Diese Preise entsprachen mit nur sehr geringen Abweichungen den Notierungen an der Londoner Metallbörse, während in vielen anderen Ländern durch staatliche Manipulationen die Preise wesentlich höher liegen.

So beklagt sich denn auch die Verwaltung des Unternehmens, daß die Bundesrepublik heute das einzige Land unter den hochindustrialisierten Staaten mit wesentlichem Metallerzbergbau sei, das bisher keinerlei Maßnahmen zum Schutze dieses Wirtschaftszweiges ergriffen habe. Das Überangebot auf dem Weltmarkt, das als ursächlich für den anhaltenden Preisverfall angesehen wird, wurde wesentlich gefördert durch das strategische Stockpile-Programm der amerikanischen Regierung, deren Käufe nach der Koreakrise einsetzten und jahrelang kontinuierlich erhebliche Mengen. beider Metalle aus dem Markt nahmen.

Die Stolberger Zink AG mußte sich darauf beschränken, die bestehenden Diskriminierungen aus eigener Kraft durch Rationalisierungen und schärfste Einschränkungsmaßnahmen soweit wie möglich auszuschalten. Da die Ertragslage der Gesellschaft im Berichtsjahre auch noch durch Lohn- und Gehaltserhöhungen sowie durch die Entwicklung der berufsgenossenschaftlichen Aufwendungen im Bergbau beeinträchtigt wurde, wurde der Zwang zur Rationalisierung noch verschärft.

Bei einer Verringerung der Belegschaft auf 3235 (3564) Mann wurde der Ausstoß der Stolberger Zink AG einschließlich Tochtergesellschaften auf 49 254 (45 859) t Blei und Zink insgesamt erhöht; davon entfielen auf Blei 24 365 (20 701) t und auf Zink 24 889 (25 158) t. Der Rationalisierungserfolg wird deutlich mit folgenden Zahlen: in den Grubenbetrieben stieg die Roherzförderung auf 109,9 v. H. der Vorjahrsleistung, die Metallproduktion auf 107,4 v. H., während die Belegschaft auf 83,3 und die Betriebskosten (in DM je t) auf 85,9 v. H. absanken.

Auch in den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat sich die Marktlage noch nicht gebessert. Zwar rechnet die Verwaltung mit einem Verbrauchsanstieg bei beiden Metallen noch im Laufe dieses Jahres, doch sei es verfrüht, festzustellen, daß dieser Prozeß bereits im Gange sei. Außerdem würden etwaige Erholungstendenzen von der Forderung einiger Staaten der USA überschattet, die Importrestriktionen wesentlich zu verschärfen. Nmn.