Die NSU Werke AG, Neckarsulm, das bislang größte europäische Zweiradunternehmen, stellte sich mit dem Jahresabschluß 1958 nun auch als Automobilfabrik vor. Sie kann ihren Aktionären einen wesentlich günstigeren Bericht über den Geschäftsverlauf vorlegen als in den beiden Jahren zuvor, selbst wenn die "ehrlich verdiente" Dividende mit 8 v. H. beibehalten wird, was angesichts der mit der Produktionsumstellung verbundenen Belastungen und Risiken nicht verwundern kann. Vorstandsvorsitzer von Heydekampf hält die Zweiradkrise der Gesellschaft für überwunden. Er will die Zweiradproduktion keineswegs aufgeben, da er dem Moped und dem Motorroller – vor allem im Ausland – noch gute Geschäftschancen gibt. Seit Anfang dieses Jahres kann die Moped- und Motorrollerproduktion von NSU mit der lebhaften englischen und auch inländischen Nachfrage schon nicht mehr Schritt halten. Nur das Motorradgeschäft wird nach Ansicht des Vorstandes klein bleiben. Hier dominiert nunmehr der Kauf gebrauchter Fahrzeuge.

Da die Produktion des Kleinwagens erst im März 1958 anlief, ist das Unternehmen im vergangenen Jahr noch überwiegend Zweirad-Firma geblieben. Mit einen zwar weiter von 258 900 auf 171 077 Fahrzeuge gesunkenen Absatz stellte das Zweirad immerhin noch 65 v. H. des Umsatzes, der durch den Verkauf der 12 100 Kleinwagen gegenüber dem Vorjahr leicht auf 153 Mill. DM erhöht werden konnte. Da mit dem Export des Wagens erst im Oktober begonnen wurde, ging allerdings der Exportanteil insgesamt von 41 auf 33 v. H. zurück. Diese Relationen werden sich nach den Ankündigungen Direktor von Heydekampfs im laufenden Jahr ändern. Der Kleinwagen wird 1959 die Hä1fte des Umsatzes bestreite n. Die seit zwei Monaten auf 160 Stade erhöhte Tagesproduktion soll weiter auf 200 Wagen gesteigert werden mit dem Ziel, bis 1960 eine Jahresproduktion von 50 000 Kleinwagen zu erreichen. Absatzmäßig wäre die erste Produktionsausweitung schon jetzt möglich, jedoch behindert der Mangel an Arbeitskraften noch eine Vergrößerung der Kapazität, obwohl seit Ende 1958 die Belegschaft bereits um über 1000 auf 7000 Beschäftigte verstärkt wurde. Besonders günstig hat sich der Export des Wagens entwickelt, der zur Zeit auf 50 v. H. der Produktion beschränkt werden muß ("wir könnten die ganze Produktion im Ausland absetzen"). In den USA und Kanada hat die im Inland kritisierte äußere Form des Wagens als Originalität großen Anklang gefunden, sie soll daher nicht (wie wohl anfangs beabsichtigt) geändert werden. Direktor von Heydekampf will überhaupt – das Vorbild des VW-Werkes vor Augen –, schon um des Kundendienstes willen, den NSU-Wagen möglichst lange unverändert produzieren.

Der Vorstand ist sich darüber im klaren, daß die Produktionsumstellung durch die immer noch außergewöhnlich gute Konjunktur für Automobile begünstigt wurde. Er rechnet sich aber auch für die Zukunft noch gute Chancen für den Absatz des Wagens aus in Anbetracht der Tatsache, daß die 600-ccm-Klasse stark gefragt ist, und daß es mit wachsendem Wohlstand auch weiterhin dabei bleiben dürfte. Die 600-ccm-Klasse steht derzeit unter den Inlandszulassungen mit 20 bis 22 v. H. an zweiter Stelle hinter der Klasse von 1000 ccm bis 1200 ccm und vor der Klasse von 700 ccm bis 1000 ccm. Für 1959 erwartet die Verwaltung keineswegs ein schlechteres Ergebnis als für 1958, wenn auch die Umsatzentwicklung weitgehend von der Beschaffung der notwendigen Arbeitskräfte bestimmt wird. Andererseits fallen jetzt die Anlaufkosten der Kleinwagenproduktion weg und die Herstellungskosten haben das vorhergesehene Niveau erreicht.

Die Investitionen werden allerdings wieder ebenso hoch sein wie im Vorjahr (10,32 Mill. DM). Seit 1949 hat die Gesellschaft 91 Mill. DM investiert und 62 Mill. DM abgeschrieben. Gleichzeitig wurden das AK von 8 auf 18 und die Rücklagen von 12 auf 18 Mill. DM erhöht. Ob das genehmigte Kapital von 9 Mill. DM in diesem Jahr herangezogen werden wird, steht noch nicht fest, da zur Zeit kein dringender Kapitalbedarf besteht. C. D.