J. K., Paris, Mitte Juni

Strohfeuer oder dauerhafte Besserung? Das ist die Frage, die sich nicht nur die Regierung, sondern auch die Wirtschaft angesichts der im Mai eingetretenen, ganz erheblichen Besserung der französischen Handelsbilanz stellt. Zum erstenmal seit Dezember 1955 konnte wieder ein Ausfuhrüberschuß im Austausch mit dem Devisenausland erzielt werden. Ob er (wie nach den bisher vorliegenden Schätzungen) nun tatsächlich 14 Mrd. fFr. beträgt oder etwas weniger, ist nebensächlich. Vergleiche mit dem April hinken, weil der Mai nur 21 Arbeitstage gegenüber 26 im April zählte. Die Gesamtergebnisse (145 Mrd. fFr. Einfuhren verglichen mit 168 Mrd. fFr. im April und 159 Mrd. Ausfuhren gegen 163 Mrd. fFr. im Vormonat) sagen daher wenig aus.

Pro Arbeitstag ist die Einfuhr auf nahezu 7 (6,5) Mrd. fFr., die Ausfuhr dagegen erheblich von 6,3 auf 7,6 Mrd. fFr. gestiegen. Der mit der Abwertung erzielte Preisvorsprung sowie die nur geringen seitherigen Preiserhöhungen, die Wiederbelebung der Weltwirtschaft, vermehrte eigene Exportanstrengungen – all diese Faktoren haben zur Besserung der Warenbilanz beigetragen.

Die Franc-Abwertung vom Jahresende erschwert Vergleiche mit den Vorjahresergebnissen. In konstanten Werten ausgedrückt, sind die Einfuhren in den ersten 5 Monaten 1959 etwa um 18 bis 20 v. H. gegenüber dem gleichen Zeitraum des letzten Jahres zurückgegangen, zum Teil infolge der Stagnation, aber hauptsächlich deswegen, weil die Furcht vor Inflation und Abwertung geschwunden ist.

Die Ausfuhren sind (in konstantem Wert) gegenüber dem Vorjahr um ungefähr 13 bis 15 v. H. gestiegen. Die Maizahlen stellen wohl ein optimales Ergebnis im französischen Außenhandel dar, da in den nächsten Monaten eher mit einem erheblichen Anstieg der Importe als mit einer weiteren Steigerung der Exporte zu rechnen ist.

Die Besserung der Handelsbilanz hat in starkem Maße auch zur Besserung der Zahlungsbilanz beigetragen. Devisen zum Ausgleich der Warenbilanz wurden auf Grund der Ergebnisse der ersten fünf Monate nur noch in verschwindend geringen Mengen benötigt. Die Touristenbilanz ist überschüssig, und der Zufluß von Anlagekapital hält an.

Nach Informationen aus bester Quelle beliefen sich die Devisenreserven der Bank von Frankreich und des Stabilisierungsfonds am 1. April 1959 auf 735 Mill. Dollar. Sie nahmen im April um etwa 160 Mill. Dollar und im Mai um rd. 200 Mill. Dollar zu, so daß sie Anfang Juni annähernd 1,1 Mrd. Dollar betragen haben dürften. Der offizielle Goldbestand der Bank von Frankreich wird mit 590 Mill. Dollar ausgewiesen, so daß die gesamten Gold- und Devisenreserven Frankreichs gegenwärtig auf 1,7 Mrd. Dollar geschätzt werden können. Die kurzfristige Auslandsverschuldung beläuft sich auf annähernd 950 Mill. Dollar. (Es handelt sich um Schulden, die bis Ende 1960 zurückzuzahlen sind.) Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, ist das französische Gold- und Devisenpolster noch nicht sehr dick.