Gebirgsregionen fliegt. Und Luxusleben ist ebenso angenehm wie anstrengend. Nur die Robusten blieben munter und unterhielten sich darüber, daß es schließlich keinen Unterschied mehr mache, ob man hier in eisiger Höhe über den Stern sause, der sich Erde nennt, oder zu anderen Planeten aufbreche. Ich zitierte den Ausspruch des gefeierten japanischen Dichters Osamu Dazai, der nach dem Krieg durch Selbstmord geendet ist: "Wissenschaft ist nur eine andere Bezeichnung für die Eitelkeit des Menschen. Sie ist die Bemühung, nicht Mensch zu sein." Aber der Lärm der Motoren verschluckte meine Worte.

Es war alsbald, mitten in der Nacht, schon wieder Tag geworden, als wir über die Wolken von Nordnorwegen reisten. Die sanften, aber energischen Stewardessen zogen die bunten Vorhänge an den kleinen Fenstern zu und wiesen auf die Nützlichkeit der schwarzen Masken beim Schlafen im Hellen hin. Service! Auch ein vorsorglich erdachtes kleines Plakat, wie man es ähnlich in Hotels vorfindet, hier fürs Knopfloch des Fluggastes gedacht, empfahlen sie uns: "Ne me dérangez pas. Merci!"

Draußen flogen Wolkenfetzen vorbei, und ich vertiefte mich in die Karte, die Welt auf meinen Knien. Der Captain suchte sich jetzt selbst seinen Weg. Jetzt ist er selbständiger Navigator. Später, nach überstandenen Strapazen, belohnte er mich harmlosen Polarfahrer mit einem Zertifikat auf Pergament, das mir mein im fliegenden Sessel überstandenes Abenteuer bestätigte. Wir mochten jetzt in der Höhe der Stelle sein, an der 1926 Amundsen seinen mühseligen Weg zum Pol gezogen war. Dann kreuzten wir die Fluglinie Nobiles, aus dem Jahre 1928, und kamen in nächste Nähe des Nordpols, in dem die Erdachse festgemacht ist.

Hier waren sie unterwegs gewesen voll Wissensdrang und Neugier, um die äußersten Winkel unserer Weltkugel abzumessen, über die ich jetzt so eilig hinwegsauste. Ich blinzelte durch das Fenster. Nichts als Eis und noch mal Eis mit sonderbaren Kurven, Rissen und Spalten darinnen. Das Nichts, gefrorene Ewigkeit.

Dann war plötzlich vor uns eine dunkle Wand, der wir uns schnell näherten. Wir hatten die Nacht eingeholt. Und Land in Sicht! Seit Kolumbus haben Millionen Weltfahrer dieses erregende Gefühl kennengelernt, wenn sie sich den Küsten nähern. Auch uns Flugreisende packte die helle Freude beim Erreichen des 49. Staates der USA. Heimatlich wirkten die öden Erdfalten des dünnbesiedelten, nordwestlichsten Landes der Staaten. Eine Stadt mit Menschen lag unter uns: Fairbanks, ein bekannter Fluß: der Yukatan. Und ein gewaltiger Berg mit riesigen Gletschern. Mac Kinley, der größte Alaskas (6236 Meter hoch), rechts am Kabinenfenster, sah aus wie der Montblanc, nur daß er einsam und ohne Rivalen aufragte.

Ein Düsenjäger hatte uns soeben ins Fenster hineingesehen. Der Pilot erschien uns zwar wie ein Marsmensch mit seinem Sauerstoffrüssel. Aber nicht einmal, daß er an der äußersten Kante unserer langen Tragfläche allzu dicht vorbeistrich, schreckte mich. Die amerikanische Küstenwacht, die hier an der Beringstraße auf Grenzposten stationiert ist, erwies uns ihre Aufmerksamkeit. Nur wenige Kilometer waren wir hier von Rußland entfernt. Die Frau des japanischen Botschafters, die auf der anderen Seite des Ganges die Nacht verbracht hatte, nahm, um munter zu werden, den ersten grünen Tee.

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