hst., Köln

Wir Kölner machen alles so’n bißchen mit scharfem Humor. Traurig wird es nur, wenn sogar die Kölner den Humor nicht mehr verstehen." Das ist ein Stoßseufzer von Erich Lappe, Bauherr eines Kölner Wohnhauses in der Schwalbengasse Ecke Langgasse.

Ihm wurde jetzt eine Klage ins Haus geschickt. Klägerin ist die Stadt Köln. Sie wird vertreten durch den Oberstadtdirektor Dr. Max Adenauer. Die Klage lautet auf "Beseitigung". Streitwert: vorläufig 5000 Mark. Beseitigt werden soll der Reliefschmuck an der Haustür des Neubaues. Er "stellt eine Herabsetzung der Klägerin und der in Frage gestellten Beamten dar, die den Tatbestand der einschlägigen Bestimmungen des Strafgesetzbuches erfüllt". So steht es in der Klageschrift.

Über die witzige und originelle Art, in der Bauherr Lappe auf seiner Haustür der Stadt Köln ein Denkmal gesetzt hat, belustigen sich indes die Kölner. Die Passanten fragen: "Wo kann man so etwas kaufen?"

Der Knauf an der Haustür ist eine bärtige Teufelsfratze. Statt der Barthaare hat der Teufel das Wort "Bauverhinderungsamt" am Kinn kleben. Etwas höher ist eine Emailletafel in die Tür eingelassen. Darauf nimmt ein von zwei Pfeilen getroffener roter Stier, der den Namen "Lappe" auf seinem Rücken trägt, ein Paragraphenmännchen auf die Hörner.

Hauptbelustigung und Anlaß der Klage ist eine in halber Höhe auf die Tür geschraubte Bronzetafel. Da liest man: Zirkus Langgasse. Erich Lappe – Dompteur; Hans Schilling – Trapez, arbeitet ohne Netz; Frl. Dr. Hanna Adenauer – Kraftakt, die stärkste Frau der Welt; Eduard Pecks – Balanceakt, nur mit Netz; Kluge – Bodenakrobat, Radschläger; Firmenich – Steilwand, fährt sicher; Max Adenauer – Hohe Schule des sich Verleugnens.

Eine Stoßplatte unten an der Tür zeigt die Bauleute bei der Arbeit. Daneben steht eine kleine Figurengruppe mit der Überschrift "Die Meckerer" und darunter: "Hausverbot für Hanna, Eduard, Max und Kluge."