Aus der Textilindustrie, die lange Zeit im Konjunktur-Schatten stand und zu den großen Sorgenkindern der amtlichen Wirtschaftspolitik gehörte, kommen zunehmend Nachrichten, die auf eine allmähliche Entspannung der Lage hindeuten. In Südbaden hat in den vergangenen Monaten der Auftragseingang das Vorjahres-Ergebnis übertreffen. Die Lagerhaltung in der Baumwollindustrie nimmt bei steigender Produktion ab. Insbesondere bei leichter Herren- und Damenoberbekleidung, Kunsffaser-Mischgeweben, Sommerstoffen und Hemden stiegen die Umsätze. – Der inländische Preisdruck hat zu einer erheblichen Annäherung der einheimischen Preise für Rohgewebe an das ostasiatische Niveau geführt. Auch gegen das so viel zitierte "Lohndumping" ist offenbar ein Kraut gewachsen.

Eine kürzlich veröffentlichte Erhebung der privaten Bausparkassen über die Berufsgliederung der Bausparer hat ergeben, das fast jeder zweite Bausparer Arbeiter ist. Der Anteil der Unselbständigen am Vertragsvolumen macht fast 75 v.H. aus und erreicht über zwei Drittel der neubestätigten Bausummen. Arbeiter waren mit 41,7, Angestellte mit 19,9, Beamte mit 10,2 und Rentner mit 2,8 v. H. an den Neuabschlüssen im April beteiligt. Gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres ist der Anteil der Arbeiter um drei, der der Angestellten um fast zwei und der der Beamten um 0,2 v. H. gestiegen. – Die "Eigentumsbildung in Arbeiterhand" ist weiter auf dem Vormarsch.

Nach Feststellungen einer EWG-Studiengruppe ist für den Herbst auf dem Europäischen Markt mit einer Erhöhung der Schuhpreise um 6 bis 12 v. H. zu rechnen. Grund dafür ist das Ansteigen der internationalen Häutepreise. Den Betrieben ist es nicht mehr möglich, mit Mischpreiskalkulationen diese zunehmende Belastung auszugleichen. – In der Bundesrepublik hat der Rückgang der Schuhproduktion im ersten Vierteljahr 1959 mit 10 v. H. angehalten; die Umsätze im Schuh-Einzelhandel stiegen jedoch in der Zeit von Januar bis April 1959 um 13 v. H. Die ausländischen Konkurrenten drücken auf den deutschen Markt.

In der Zeit von 1948 bis 1958 sind rund 4 Mrd. DM ERP-Gelder nach Berlin geflossen. Davon dienten rund 1,5 Mrd. DM dem Aufbau und der Neueinrichtung von Betrieben, der Produktionsverlagerung westdeutscher Betriebe nach Berlin und der Finanzierung von Groß-Bauvorhaben. An Krediten zur Förderung des Absatzes von Berliner Erzeugnissen wurden rund 500 Mill. DM zur Verfügung gestellt. – Das Bundesschatzministerium, das diese Zahlen bekanntgibt, spricht von einem guten Erfolg dieser Aktion, der in der Zunahme des Berliner Brutto-Sozialprodukts von 3,9 Mrd. DM im Jahre 1950 auf 9,6 Mrd. DM im Jahre 1958 und im Rückgang der Zahl der Arbeitslosen von 300 000 im Jahre 1950 auf 61 000 im Mai 1959 zum Ausdruck komme.

Ein Gesetz über die Sozialisierung der Landwirtschaft ist in der Sowjetzone erlassen worden. Nach dem von der Volkskammer angenommenen Gesetz sollen die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften "juristisch selbständige sozialistische landwirtschaftliche Großbetriebe" werden. Zwar bleibt der Boden Eigentum des jeweiligen Produktionsgenossen; er darf jedoch nur an den Staat, die Produktionsgenossenschaftoder deren Mitglieder mit wenig oder keinem Grundbesitz veräußert werden.

Die Gefahr einer Konzentration des Aktienbesitzes in den Händen weniger Großaktionäre hält die Mannesmann AG für gering, zumal der Geldbedarf der Wirtschaft über die Leistungsfähigkeit einzelner Großaktionäre hinausgehe...Nach Angaben in der Werkszeitung des Unternehmens sind 57,3 v. H. des Kapitals der 17 selbständigen Eisen- und Stahlgesellschaften in Höhe von 3,33 Mrd. DM im Streubesitz. Von den verbleibenden 42,7 v. H. des Kapitals, das sich in Händen von Großaktionären befindet, entfallen 24,1 v. H. auf privaten Dauerbesitz und 18,6 v.H. auf Auslands- oder Staatsbesitz.