Die anhaltende Vollbeschäftigung in den meisten Zweigen der Wirtschaft zwingt die großen Unternehmen, bei dem Ausbau ihrer Kapazitäten, immer mehr "aufs Land zu gehen", das heißt in Gegenden, die noch ein gewisses Arbeitskräftereservoir haben. In welchem Ausmaß dadurch der Arbeitskräftemangel zu einer Dezentralisierung der Produktion führt, zeigt sich in der Entwicklung der Robert Bosch GmbH, Stuttgart, die im vergangenen Jahr auf Grund der weiteren Geschäftsausdehnung ihre Belegschaft einschließlich der Tochtergesellschaften von 44 459 auf rund 51 000 Beschäftigte vergrößern mußte. Von diesen Beschäftigten waren jedoch 1958 nur noch etwas mehr als die Hälfte am Stammsitz der Firma in Groß-Stuttgart tätig, nachdem noch vier Jahre zuvor nahezu drei Viertel der Belegschaft hier gearbeitet hatten. Besonders fühlbar war für die Gesellschaft der Mangel an qualifizierten technischen und kaufmännischen Arbeits-> kräften, weil er den Einsatz moderner Fertigungsmethoden hemmte. Das Vorhandensein einer geschulten Belegschaft war daher wohl mit ein wesentlicher Grund für den Erwerb der Nürnberger Anlagen der Zündapp-Werke GmbH Mitte des Jahres 1958. Daneben wurden im Berichtsjahr der Elektromotorenbau Bühlertal GmbH die Herstellung von Bosch-Scheibenwischern übertragen und ein Teil der Fabrikation von Lichtmaschinen und Anlassern nach Hildesheim verlegt.

Dank der weiter guten Konjunktur der Automobilindustrie, die auch wieder eine Belebung des Lastwagen- und Omnibus-Geschäftes brachte, konnte Bosch 1958 seinen Umsatz nochmals um fast 15 v. H. erhöhen. Da die direkte Ausfuhr noch wesentlich stärker als im Jahr zuvor um fast 23 (12) v. H. gesteigert, werden konnte, erhöhte sich der Anteil des direkten Exports am Umsatz auf etwa 20 v. H. Neben dem Kraftfahrzeugzubehörgeschäft konnte auch der Absatz von Haushaltmaschinen (Kühlschränke, Küchenmaschinen und neuerdings auch Waschmaschinen) erheblich gesteigert werden. Durch diese Zunahme des Geschäftsumfangs wurden wiederum erhebliche Investitionen notwendig. Trotz dieser Investitionen konnte die Firma Bosch aber ihre Liquidität mit Hilfe der 1953 und 1956 begebenen Anleihen von zusammen 60 Mill. DM auf befriedigender Höhe halten. Sie dürfte jedoch wohl in absehbarer Zeit an die Aufnahme neuer Mittel denken, da – wie die Gesellschaft in ihrem Bericht voraussagt – "wegen erneuter Anforderungen eine Anspannung unserer Geldmittel im laufenden Jahr eintreten wird". Nach Verstärkung der Rücklagen um 4 auf 126,2 Mill. DM und Dotierung der "Hans-Walz-Stiftung" zur Förderung der medizinischen Forschung und Lehre mit 0,50 Mill. DM, weist Bosch einen Gewinn von 5,96 (4,39) Mill. DM – mit Vortrag von 9,79 (8,16) Mill. DM – aus. Das Stammkapital von 48 Mill. DM wird mit 12 (9) v. H. verzinst.

C. D.