Akademische Journalisten – Was jeder deutsche Student sollte, aber nicht kann – Ein neuer Professorentyp

Von Rudolf Walter Leonhardt

Nach längerer Unterbrechung setzen wir heute unsere Serie "Porträts deutscher Universitäten" fort. Ein Porträt entsteht nicht, indem der Abzubildende sich selber darstellt – er fühlte sich denn als ein zweiter Rembrandt. Deswegen haben wir darauf verzichten müssen, diese Universitätsporträts von Angehörigen der jeweiligen Universität zeichnen zu lassen. Solche Darstellungen finden sich in ausreichender Zahl, zum Beispiel in den Studienführern, wie sie heute von beinahe allen deutschen Universitäten herausgebracht werden, schöne Zeugnisse der Loyalität. Uns interessiert es, wie die Universität nach außen hin erscheint. Was dabei an Details verlorengehen könnte, sollte in der Klarheit der großen Linien und den besseren Vergleichsmöglichkeiten wiedergewonnen werden.

Daß die Freie Universität Berlin gegründet wurde, ist zunächst einmal Studenten und Journalisten zu danken, zwei Spezies der Gattung berufstätiger Mensch also, denen Professoren und Politiker zuweilen mit einigem Mißtrauen gegenüberstehen. Und wer wäre als Journalist (oder Student) vermessen genug zu behaupten, daß solches Mißtrauen immer und in jedem Fall unberechtigt sein müßte?

Politiker und Professoren sind hier nicht von ungefähr oder gar aus Unfreundlichkeit genannt. Im Gegenteil: sie waren es, die schließlich die Macht hatten, kühne Pläne Wirklichkeit werden zu lassen – unter ihnen vor allem: Berlins damals regierender Bürgermeister Ernst Reuter; der General Lucius D. Clay als Oberbefehlshaber der amerikanischen Besatzungstruppen; der Museumsdirektor und Kunsthistoriker Edwin Redslob; und Friedrich Meinecke, der große Historiker und erste Rektor der Freien Universität.

Tatsache bleibt, daß es eine Freie Universität Berlin – und damit, um das vorauszunehmen, eine der schätzenswertesten und eindrucksvollsten deutschen Universitäten – heute nicht gäbe, wenn nicht Studenten und Journalisten unter Einsatz ihrer Existenz darum gerungen hätten.

Und es bleibt schade, um es milde auszudrücken, daß großes Geschrei immer dann entsteht, wenn Journalisten und Studenten, diese enfants terribles, ihre Freiheit mißbrauchen; daß mit Paragraphen und einstweiligen Verfügungen und Relegierungen und Entlassungen gedroht – und nicht nur gedroht – wird, während solche anderen, solche positiveren Seiten üblicherweise in ehrenden Nachrufen Ausdruck finden.