Wohl der Stadt, deren Ruhm und deren Schönheiten mit den Namen großer Männer verbunden sind. Doppelt wohl dem fast zweitausendjährigen "Goldenen Augsburg", das in dem Fürsten Fugger, der den Beinamen "der Reiche" erhielt, eine Gestalt hat, die sowohl allen Zauber historischer Größe besitzt als auch so vielerlei Eigenschaften, die sie sympathisch machen; Eigenschaften, die andere historische Größen nicht immer haben. Die Fuggers, auf deren Erbe die einstige Reichsstadt stolz ist, waren nicht nur mächtige, einflußreiche Staatsmänner, sondern sie standen auch mit den Musen auf intimem Fuße. In diesem Jahr feiert Augsburg Jakob Fuggers 500. Geburtstag.

Das Charakterbild Jakob Fuggers des Reichen ist auch heute noch, in einer vom Sozialismus geprägten Gesellschaft, durchaus sehr lobenswert. Nicht einmal die Gewerkschaften würden ihm etwas vorwerfen können, es sei denn, daß er die Fuggerei aus eigener Initiative und ohne vorherige Machtprobe mit organisierten Arbeitnehmern gegründet hat, jene Siedlung für unschuldig in Armut geratene Leute, in deren 53 Häusern auch heute noch zum Mietzins von einem rheinischen Gulden – das sind umgerechnet 1,73 DM – solcher Begünstigung bedürftige und würdige Menschen wohnen. Jakob Fugger ließ die Mieter der Fuggerei für sich beten. Die Stadtherren, die seine Tradition der Großherzigkeit bis auf den heutigen Tag fortsetzen, verlangen das nicht. Selbstsicher glauben sie solcher Fürbitte entraten zu können. Dafür muß die Fuggerei, die wirklich eine Sehenswürdigkeit ist, ein bißchen herhalten für den Fremdenverkehr. Wer mag es ihnen verdenken. Selbst das goldene Augsburg darf von seinen vielen Schönheiten und Sehenswürdigkeiten keine ungenutzt lassen. Denn der Fremdenverkehr ist ein Erwerbszweig, eine Einnahmequelle, auf die heute kein verantwortungsbewußtes Stadtparlament verzichten kann.

Abgesehen von dem sommerlichen Festprogramm im Theater, im Schäzlersaal und im Thronhof, wurden drei kleine Bände, Porträts sozusagen, der Feststadt herausgegeben, ein "Kleiner Führer durch eine große Stadt", wobei "groß" im Sinne der Bedeutung und nicht der Geographie zu verstehen ist, die "Große Liebe zu Augsburg", worin Eindrücke bedeutender Menschen aus Gegenwart und Vergangenheit zitiert werden, und "Augsburg, kleines Buch einer großen Stadt". Das letzte Büchlein ist, mit Bildern großzügig ausgestattet, eine Art Augsburger Kurzbiographie, so knapp, daß sie nie langweilt, und so inhaltsreich, daß sie Neugier und Wissensdurst gehörig anregt.

Bei einem Besuch Augsburgs sollte man sich etwas Zeit nehmen, sei es für prachtvolle Renaissancebauten des Elias Höh, für die kompakten Türme und Wehrbauten oder die Schauplätze großer, in die Historie eingegangener Schicksale, seien diese nun tragisch, wie im Falle der Agnes Bernauer, oder rührend, wie bei der schönen Welserin, deren Familie ganz Venezuela gehörte. Bis zum Oktober wird im Schaezlerpalais eine recht interessante Ausstellung "Musik der Fuggerzeit" gezeigt, von der die "Camerata academica" des Salzburger Mozarteums, ein Orchester, das man – zumal unter der Leitung von Professor Paumgartner – den Freunden der Musik nicht genug empfehlen kann, am 28. Juni 1959 im Reichsgotteshaus St. Ulrich, am 8. Juli 1959 in der St.-Anna-Kirche und am 22. Juli im Schäzlerpalais einige Proben gibt. J. P.