r. g., Stuttgart

Man spricht von dem schwersten Autobusunglück in Deutschland: 38 Menschen sind am 20. Juni bei Lauffen am Neckar ums Leben gekommen und 33 wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Ein Autobus war bei halbgeöffneten Schranken von einem Eilzug erfaßt worden ...

Mit Recht wird nach diesem Unglück die alte Forderung wieder ausgesprochen: Beseitigung der schienengleichen Bahnübergänge. Mansollte sich nicht genieren, sie zu wiederholen, weil sie ohnehin im Programm der Bundesbahn steht. Wenn das Beileid, das Bundesminister Seebohm den Angehörigen der Opfer übermittelt hat, mehr sein soll als eine konventionelle Geste, dann muß jetzt die Abschaffung oder – wo dies nicht möglich ist – die ausreichende Sicherung der mörderischen Bahnübergänge forciert werden. Auch wenn es zu Lasten anderer Vorhaben geht.

Es ist jedenfalls nicht damit getan, in philisterhafter Manier den Stab über jene Menschen zu brechen, die Bahnbediensteten und die Autofahrer, die jahrelang gewissenhaft ihre Pflicht erfüllt, in einer einzigen Minute aber versagt haben. Die schienengleichen Übergänge sind einfach ein Anachronismus – und ein gefährlicher dazu. Das idyllische Bild vom Bahnwärterhäuschen, vor dem ein gemütlich ausschauender Mann die Schranken herunterleiert – es läßt sich nicht in die Zukunft hinüberretten.

Sollte das Unglück von Lauffen kein anderes Echo finden als ein paar gutgemeinte Worte von Tragik und Schicksal, dann bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als sich an jedem Bahnübergang schlechthin wie vor einer Todesfalle zu verhalten – und, falls man drüben ankommt, erleichtert zu seufzen: Das ist noch einmal gutgegangen.

In Lauffen ist es nicht gutgegangen.