Vom Fürsten Metternich stammt das Wort, es gebe in Negotiationen nur ein einziges Unglück: nicht zu reüssieren. Nun ist zwar die Genfer Außenministerkonferenz, die sich seit Gromykos wiederaufgewärmtem Ultimatum mühselig am Rande des Abbruchs dahinschleppte, noch nicht zu Ende; sie ist nicht abgebrochen, sondern nur unterbrochen worden. Aber die erste Runde ist vorbei. Auf 41 Tage Verhandlungen folgen 23 Tage Pause.

Wer hat bislang in Genf reüssiert? Alles in allem war es ein Kreiseltanz in der Sackgasse. Im Grundsätzlichen hat sich keine der beiden Seiten von der Stelle bewegt, und der Ausgangspunkt für die neuen Verhandlungen wird am 13. Juli derselbe sein wie am 11. Mai.

Der Westen hat also am Konferenztisch lediglich Zeit eingehandelt – und Zeit scheint auch das einzige zu sein, worüber die Sowjets mit sich reden lassen wollen. Über die Fristen könne man gern verhandeln, sagte Chruschtschow. Was er meinte, war: ausschließlich über die Fristen und sonst über nichts. Sein letztes Ultimatum ist nicht mehr aus Eisen, sondern nur noch aus Gummi. Ist das jedoch für die Westmächte schon ein Grund zum Aufatmen?

Mit der Devise "keinen Zoll zurückweichen" waren die Diplomaten des Westens letzten Monat im Genfer Palast der Nationen angetreten, fest entschlossen, über Berlin nur im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung und der europäischen Sicherheit zu sprechen. Ihr Vorschlagspaket, in dem die Lösung der Berlin-Frage kunstvoll mit diesen beiden Problemen verschnürt war, haben sie freilich schon vor Wochen in der Konferenzgarderobe abgegeben. Seither ist nur über Berlin gesprochen worden. Die Westmächte sind dabei bis an die äußerste Grenze des Entgegenkommens gegangen und haben bereits das Maß der möglichen Zugeständnisse erschöpft. Die Sowjets hingegen sind zu keinerlei wesentlichen Zugeständnissen bereit gewesen.

Auf den ersten Blick scheinen die Positionen von Ost und West nicht einmal so weit auseinanderzuklaffen. Dies haben die Westmächte für eine Ost-West-Vereinbarung über Berlin angeboten:

1. Festlegung der westlichen Garnisonstärke auf den jetzigen Stand (11 000 Mann); möglicherweise eine Verminderung der Truppen.

2. Verzicht auf die Ausrüstung der westlichen Truppen mit Atomwaffen und auf die Stationierung von Raketen in Westberlin.