DIE ZEIT

Der Tausendzüngler

Uralt ist der Streit zwischen dem Iran und dem Scheich der von den Briten protegierten Ölinsel Bahrein im Persischen Golf. Teheran erhebt Ansprüche auf die Insel, und alle persischen Karten weisen sie als persisches Hoheitsgebiet aus.

Der zweite Bonner Frieden

Wieder einmal drang Friedensgeläute aus dem Fraktionssaal der CDU. Aber noch traut man ihm nicht so recht. Zu frisch ist noch die Erinnerung an eine ähnliche Versöhnungsszene, die, kaum photographiert, bereits in eine Interview-Kanonade ausartete.

Neue Europäer

Als kürzlich ein türkischer Minister einen neuen Staudamm in Anatolien einweihte, sagte er: "Dies ist der längste Damm in Europa.

Achse oder Brücke?

Als neulich auf einer Tagung das Wort fiel: "Mir wäre etwas weniger Achse Bonn–Paris und etwas mehr Brücke Bonn–London sehr lieb, da spürte man, daß diese Formulierung in der Versammlung wie eine Kontaktzündung wirkte.

ZEITSPIEGEL

"Weil die ganze Situation in der Welt verlangt, daß nicht ganz plötzlich mitten während dieses weltpolitischen Geschehens sich dasselbe ereignet, was sich damals ereignet hat, als Churchill dadurch, daß er die Wahlen verlor, durch Attlee ersetzt wurde, der ein ausgezeichneter Mann ist, der aber in die ganzen Verhandlungen hineinkam, ohne damit vorher befaßt gewesen zu sein.

Irlands großer alter Mann

Es gibt bei uns nur drei politische Themen", pflegte man in Irland bis vor kurzem zu sagen: "Die Teilung des Landes, die gälische Sprache und de Valera Das Thema de Valera scheint nun ausdiskutiert zu sein.

"Alles ist erpreßt worden"

Place St. Gervais Nr. 1ist die Adresse des amerikanischen Generalkonsulats in Genf. Hier sitzt, hinter großen Fenstern wenige Meter über der schnellströmenden Rhône, William Stearman.

Bevan und die Bombe

Die Haltung der englischen Sozialisten zur Atombewaffnung war seit jeher zwiespältig. Unter den Parteiführern treten viele dafür ein, daß Großbritannien seine Atombombenproduktion einstellt – gleichviel, was die anderen Mächte tun.

Art Buchwald:: Presley in Paris

Der US-Gefreite Elvis Presley hat eben sieben Urlaubstage in Paris verbracht. Presley, der vor vier Wochen erst – nach siebzehnmonatiger Dienstzeit – befördert worden ist, war zuvor der reichste "gemeine Soldat" der US-Army.

Zurück vom Befehlsempfang

Walter Ulbricht war heiser, und deswegen mußte Otto Grotewohl zu den 70 000 Ostberlinern sprechen, die am freien Sonnabendnachmittag unter sengender Sonne in der Stalinallee angetreten waren.

Folterungen an der Seine?

In der deutschen Presse wird nur selten von den unmenschlichen Formen gesprochen, die der Algerienkrieg in beiden Lagern angenommen hat.

Raab mußte nachgeben

Welch merkwürdige Parallelität: In Bonn und Wien gab es fast gleichzeitig eine Krise, die in beiden Fällen auf einen einsamen Entschluß des Regierungschefs zurückging.

Dämone des technisierten Krieges

Die Erfahrungen des amerikanischen Bürgerkriegs sind in Europa wenig zur Kenntnis genommen worden. Ich habe eingangs der Begeisterung gedacht, mit der 1914 der Ausbruch des großen Ringens nicht nur bei uns, sondern bei allen Völkern begrüßt worden ist.

"...daß es nicht wieder geschehe"

Es kam hinzu, daß dem totalen Krieg in Deutschland eine totale Politik der Unmenschlichkeit vorausgegangen war, mit der blutigen Verfolgung vermeintlicher oder wirklicher Gegner, mit Gewissenszwang und Martyrium, mit der Austreibung oder Austilgung von Rassefremden, mit der Vernichtung des sogenannten lebensunwerten Lebens oder des "Ungeziefers" in der Sprache des Regimes, und daß diese Politik sich in den Krieg hineinzog und in ihm gipfelte.

"Bitte schießen die Herren zuerst"

Aber schlagen wir ein anderes Blatt der Geschichte auf, das uns in manchem noch ferner sein mag als die Antike mit ihren Bürgersoldaten und Bürgertugenden und doch auch wieder einen Bezug zu wesentlichen Erscheinungen unserer Tage hat.

Zärtliche Bänder

Herz erwünscht, Vermögen angenehm, Dreizimmerwohnung vorhanden, lebensfrohes Gemüt und sportliche Gesinnung geboten (wenn auch noch Nichttänzer), Wagen angenehm, gesicherte Position Bedingung.

Hamburg: Weltstadt ohne Theater?

Es war Montag, 19 Uhr, vor dem Hamburger Hauptbahnhof. An einer Plakatsäule, wo die Theaterspielpläne hängen, sprach mich ein Herr mit ausländischem Akzent an.

Baden-Württemberg: Gefährliche Idylle

Man spricht von dem schwersten Autobusunglück in Deutschland: 38 Menschen sind am 20. Juni bei Lauffen am Neckar ums Leben gekommen und 33 wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

ZEITMOSAIK

In Leningrad wird ein Sammelband unbekannter Manuskripte ausländischer Schriftsteller vorbereitet. Das Buch wird von Klopstock, Wieland, Herder, Goethe, Schiller und Hoffmann Beiträge enthalten, die in einem Leningrader Archiv gefunden wurden.

Was heißt schon Licht, Luft, Sonne in Berlin?

O Masse Mensch, o du proletiges Berlin! Am Strand der Havel, im Olympia-Schwimmstadion, am Wannsee und sogar rings um diese lyrisch-verwunschenen Grunewaldseen – da lernt man, unter Badenden, wieder verstehen, daß Gott den einzelnen gemeint haben muß, als er den Menschen menschlich wollte.

Erinnerung an Berlin

Ein fast sommerlicher Nachmittag lag über dem Land, als wir an die Havelseen hinausfuhren. Es war wie ein Atemholen, als mich die Weite der östlichen Heimat umfing.

Nr. 26 vom 30. Juni 1949: Europäische Paradoxe

Für das alte Europa ist dies eine Zeit der Paradoxe: Da lehrt in Paris der vielgeschmähte Philosoph und Schriftsteller Jean Paul Sartre den schrankenlos freien Übermenschen (wer von seinen lauten Kritikern ist sich wohl, bevor er ihn verdammt, darüber im klaren, daß dies vielleicht die letzte große abendländische Menschenkonzeption überhaupt ist?), während nur vier Flugstunden weiter in Berlin der russische Bolschewismus die europäische Individualität vernichtet.

Jeder Mensch ist ein Kannibale

Tennessee Williams ist wohl der führende Dramatiker dieser unserer Welt im zwanzigsten Jahrhundert. In allen Ländern wird er gespielt.

Otto von Taube

Ein kritischer Zeitbetrachter fand den Weg zur Glaubensgewißheit Zu seinem achtzigsten Geburtstag

Elles viennent

Die Absage an jeden ästhetischen Schönheitskult, vom Ethischen gar nicht zu reden, verbindet Beckett mit seinem Dramatikerkollegen Tennessee Williams (freilich nun schon beinahe mit der ganzen dramatischen und lyrischen Avantgarde); die polyglotte Eigenwilligkeit teilt er mit seinem großen Landsmann James Joyce, der ihr jedoch eigenere, für den Leser freilich noch verwirrendere Stilwirkungen abzugewinnen wußte; was schließlich die einseitig männliche Thematik anlangt, so könnte man fühlen, daß auf Becketts französische Gedichte die rustikale Direktheit eines François Villon nicht ohne Einfluß geblieben ist, obwohl die Konstruktion literarischer Einflüsse gewiß überflüssig wäre, um zu erklären, was jedem Obergefreiten als "Thema 1" vertraut war.

Schriftsteller auf kleiner Reise

Es mag ungewöhnlich sein, daß der Rezensent seine Kritik mit einem Geständnis beginnt; doch da ein solches Geständnis hier zur Sache selbst gehört, möge man es mir erlauben: Ich habe die Faszination, mit der viele deutsche Leser den Büchern Gerd Gaisers erlegen sind, bisher nie verstanden.

Die "Du"-Masche

Du hast den linken Fuß auf die Messingschiene gesetzt und versuchst vergeblich, mit der rechten Schulter die Schiebetür etwas weiter aufzustoßen.

Jeder Strich dient

Klaus Bertelsmann: "Zeichnungen", mit einer Einführung von Professor D. Ernst Wolf; Verlag Ernst Kaufmann, Lahr; 32 S., 4,80 DM.

Griff nach dem Schalthebel

Wie immer der jetzige Machtkampf zwischen Volkspartei (ÖVP) und Sozialisten in Österreich ausgehen mag, so ist auf absehbare Zeit hinaus keine Regierungskonstellation denkbar, die zu einer Re-Privatisierung der Besitzanteile des Staates in der Wirtschaft führen könnte.

Wovon die City spricht: Klub der "Äußeren 7"

In großen Teilen der britischen Wirtschaft scheint man sich damit abgefunden zu haben, daß der Freihandelszonenplan der "Äußeren Sieben" bereits in den nächsten vier Wochen in das Stadium der Verhandlung über ein Abkommen treten wird.

ZEIT-RAFFER

Die "Kleine Freihandelszone der Sieben" (England, Skandinavien, Portugal, Österreich und die Schweiz) scheint zustande zu kommen.

Unter der Fuchtel von "Comecon"

Die Posener Messe, die bis zum 21. Juni dauerte, hätte für Polen ein großer Erfolg werden können. Die Veranstalter hatten sich große Mühe gegeben, und es war der Leitung auch gelungen, Aussteller aus 47 Staaten nach Polen zu locken.

Streik der Drucker

Der vor vier Wochen im britischen Druckgewerbe ausgebrochene Lohndisput hat sich am letzten Samstag "zum Streik verdichtet".

Drohende Weizen-Überschüsse

Wer Frankreichs wirtschaftliche Entwicklung verfolgt, weiß, daß der Export noch ansehnlich über den derzeitigen Stand hinaus gesteigert werden muß.

Swap bremst den Geld-Export

Der Zins auf dem Geldmarkt wird nach oben durch den Diskont und nach unten durch die Abgabesätze für Geldmarktpapiere bestimmt.

Spediteur-Arbeit im Film

Der Verein Hamburger Spediteure e. V., der Anfang dieser Woche sein 75jähriges Bestehen festlich – mit anschließender Arbeitstagung – beging, hat einen "Spediteurfilm" in Auftrag gegeben, der nicht nur den Warenumschlag im Seehafen in all seinen verschiedenen Formen zeigt, sondern auch dem Beschauer die "vorwiegend geistige dirigierende Tätigkeit des Kaufmanns am Schreibtisch" anschaulich machen soll.

Knorrs Flucht ins Dunkle

Die Welle der Umwandlungen von Aktiengesellschaften in die Form der nicht publizitätspflichtigen GmbH stellt viele Aktionäre vor die schwierige Aufgabe, die bestmögliche Verwertung für ihren Aktienbesitz zu finden.

Der Leser schreibt...

Nach der Verabschiedung des Bundeshaushalts muß auf die besondere Problematik der Übernahme eines Fehlbetrags von 60 Mill. DM für landwirtschaftliche Altersversorgung durch den Bund hingewiesen werden.

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