Der Norddeutsche Lloyd, Bremen, der jetzt seinen Abschluß für das Geschäftsjahr 1958 vorlegt, ist von der Flaute auf den Weltfrachtmärkten ebenso wie die übrigen Schiffahrtsgesellschaften stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Es konnte zwar ein kleiner Gewinn von 0,31 (im Vorjahr 0,72) Mill. DM erzielt werden, der auf neue Rechnung vorgetragen werden soll, doch spiegelt die Bilanz die erheblich verschlechterte Ertragslage wider. Rückgänge der Rohstoffeinfuh-Ten und die verminderten Exporte in die Rohstoffländer wirkten sich um so mehr aus, als – nach hohen Raten, infolge der Suezkrise – die Weltschiffahrt einen ausgesprochenen Expansionsdrang zeigte. Zahlreiche Schiffsablieferungen verstärkten den Tonnageüberhang. Einem Zuwachs von etwa 5 Mill. BRT steht ein nur halb so großer jährlicher Erneuerungsbedarf gegenüber.

Das Reederei – Ergebnis des Norddeutschen Lloyd ist – bei Nichtberücksichtigung außerordentlicher Posten – von rund 75 Mill. auf etwa 48 Mill. DM, mithin um 38 v. H., gesunken. Die Einbuße ist stärker als bei der Hapag, deren Westindien- und Indonesien-Dienste sich gut gehalten haben. Außerdem schlugen bei der Hapag auch die Flottenzugänge im Vergleich zum Lloyd günstig zu Buch, da diese eigenen Schiffe offensichtlich billiger fuhren als die Charterschiffe.

Bemerkenswert ist die Steigerung der Zinsaufwendungen auf 5,08 (3,65) Mill. DM – eine Folge der Umschuldung von 7d-Darlehen, die beim Nordlloyd im wesentlichen bis 1962 fällig werden. Abschreibungen stehen infolge des geringen Flottenzuwachses im Jahre 1957 stark ermäßigt mit 27,02 (38,19) Mill. DM zu Buch.

In der Bilanz per Ende 1958 sind Seeschiffe leicht ermäßigt mit 199,50 (206,89) Mill. DM ausgewiesen. Das entspricht bei einem Durchschnittsalter der Flotte von sechs Jahren einer Abschreibung von 46 v.H. auf den Anschaffungswert von 370 Mill. DM. Dieser mit 608 DM je Tragfähigkeitstonne recht hohe Buchwert wirkt im Wettbewerb nachteilig für Lloyd. Bei vergleichbaren ausländischen Reedereien beträgt dieser Wert nur rund 100 DM. Das Seeschiffs-Anlagevermögen des Norddeutschen Lloyd wird zu rund 20 v. H. durch Eigenmittel (34,98 Mill. DM AK plus 4,45 Mill. DM Rücklagen) gedeckt.

Nach der Indienststellung von sechs Frachtschiffen mit zusammen 56 000 Tragfähigkeitstonnen im Laufe dieses und des nächsten Jahres, womit die Lloyd-Flotte künftig gut 380 000 Tragfähigkeitstonnen betragen wird, wird nach Mitteilung des Vorstandes das Bauprogramm vorerst abgeschlossen sein. Jetzt gilt es, die hohe Verschuldung abzubauen. In Anbetracht der ungünstigen Schiffahrtskonjunktur ist es daher auch nicht möglich, eine Dividende auszuschütten. Die bisherige Entwicklung im Geschäftsjahr 1959 läßt für Optimismus wenig Raum. Weitgehend wird das Ergebnis davon abhängen, wann und in welchem Umfang die Industrie ihre Rohstofflager wieder auffüllt. Sml.