R. N., London, Ende Juni

In großen Teilen der britischen Wirtschaft scheint man sich damit abgefunden zu haben, daß der Freihandelszonenplan der "Äußeren Sieben" bereits in den nächsten vier Wochen in das Stadium der Verhandlung über ein Abkommen treten wird. Nach wie vor halten es die Regierungen der sieben kandidierenden "Non-Six" zwar nicht für angeraten, sich offiziell dazu zu bekennen. In Whitehall sind die Würfel jedoch längst gefallen. Man glaubt von der deutsch-französischen Partnerschaft brüskiert worden zu sein und will jetzt allein schon aus Gründen des Prestiges die Initiative zurückgewinnen. Und da England also nur allzu bereit ist, die Verwirklichung des "aus schöpferischer Unruhe" entstandenen Alternativ-Planes mit maximalem politischem Einsatz zu betreiben, dürfte es selbst den Dänen kaum noch möglich sein, sich aus der in Stockholm entworfenen Marktgemeinschaft herauszuhalten.

Alles das heißt nicht, daß die britische Wirtschaft samt und sonders gewillt sei, die ganz unter politischem Vorzeichen stehende Entscheidung des Kabinetts gutzuheißen. Opposition haben bisher zwar nur die – von Dänemarks Liberalisierungs-Wünschen beunruhigte – Landwirtschaft, sowie die den skandinavischen und schweizerischen Export am stärksten fürchtenden Papier- und Uhrenindustrien angemeldet, dazu die Baumwollspinner, die Jute- und Hartfaserindustrien, die Hersteller von elektrischen Handwerkzeugen und von Holzbearbeitungsmaschinen, wie auch die Schnitt- und Rundholzbranchen.

Aber auch viele andere der von der Federation of British Industries kürzlich angesprochenen Interessenten willigen doch nur mit Vorbehalten ein. Denn wenn sie auch kaum bezweifeln, daß es den Befürwortern des Stockholmer Arrangements keineswegs um das Beziehen eigentlicher Kampfpositionen geht und man sich im Gegenteil zusammenschließen wolle, um die Bereitschaft zur multilateralen Assoziierung mit den übrigen OEEC-Ländern zu fördern, so erscheint vielen Beobachtern diese Maudlingsche Brückenschlag-These doch als reichlich akademisch.

Überwiegend hat man sich zur Auffassung bekehrt, daß das ursprüngliche britische Freihandelszonen-Vorhaben nicht so sehr am Schutzbegehren der französischen Industrie als – neuerdings – an Frankreichs politischen Ambitionen gescheitert ist. Jedes weitere Bemühen um eine praktische Lösung erfordere infolgedessen in erster Linie eine Abklärung zwischen London und Paris.

Schließt die Bildung einer kleinen Freihandelszone in der Meinung vieler hiesiger Industrieller also die ernsthafte Gefahr einer weiteren Versteifung der Fronten in sich, so wird darüber hinaus die handelsfördernde Wirkung der geplanten Gemeinschaft viel bescheidener sein als die des Gemeinsamen Marktes. In der Tat sind die potentiellen Partner dieser kleinen Freihandelszone austauschmäßig weitaus enger mit der EWG verbunden als untereinander. Bei durchweg hohem Liberalisierungsstande liegen ihre Tarife meist schon derart niedrig, daß sich kaum jener scharfe Druck auf den deutschen Skandinavien-Export ausüben lassen dürfte, von dem manche Verfechter des Planes ganz unverhohlen ein verstärktes deutsches Drängen in Paris erhoffen.

Im großen und ganzen hält man das Bemühen der "Äußeren 7" mehrheitlich aber für ein einigermaßen fragwürdiges oder jedenfalls riskantes Unterfangen. Vielfach glaubt man sich nur deshalb mit dieser Initiative abfinden zu müssen, weil der Europäischen Wirtschaftskommission an einer baldigen Wiederaufnahme von Verhandlungen über ein multilaterales Abkommen nach wie vor wenig zu liegen scheint.