Die Welle der Umwandlungen von Aktiengesellschaften in die Form der nicht publizitätspflichtigen GmbH stellt viele Aktionäre vor die schwierige Aufgabe, die bestmögliche Verwertung für ihren Aktienbesitz zu finden. Die Abfindungsangebote, die von den Verwaltungen anläßlich der Umwandlung gemacht werden, klingen nämlich nicht immer sehr verlockend. Darüber hinaus erschwert die auch bislang schon geringe Publizität dieser Unternehmen dem Aktionär die Feststellung des wirklichen Wertes seiner Gesellschaft. – Wie sehr hierbei die Ansichten der Verwaltungen und der Aktionäre auseinandergehen, zeigt sich deutlich bei der Nahrungsmittelfabrik C. H. Knorr AG, Heilbronn. Diese Gesellschaft, die sich im Mehrheitsbesitz der Deutschen Maizena Werke GmbH, Hamburg, befindet, schlägt ihren Aktionären die Umwandlung der Gesellschaft in eine GmbH vor, wobei sich die Großaktionärin, die sich wiederum voll im Besitz der amerikanischen Corn Products Company, New York, befindet, bereit erklärt hat, sich mit den freien Aktionären wegen Übernahme ihres Aktienbesitz zes zu verständigen. Allerdings sollte dies nicht zu dem bei Veröffentlichung des Umwandlungsvorschlages bestehenden Börsenkurs von 660 v. H. erfolgen. Dieser Kurs wurde von Maizena als überhöht bezeichnet. In der Folgezeit ging er vorübergehend auf 550 v. H. zurück.

Die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz dagegen hält eine Abfindung der Knorr-Aktionäre zu einem Kurs von mindestens 900 v.H. für angemessen. Sie begründet diese Ansicht mit dem hohen inneren Wert der Knorr AG. Die Bedeutung der schweizerischen Beteiligung, der Knorr Nährmittel AG, Thayngen, dürfe nicht übersehen werden. Während der Umsatz der Heilbronner Knorr auf rund 100 Mill. DM geschätzt wurde, wurde der Umsatz der schweizerischen Gesellschaft, über die auch der Export der Heilbronner Knorr geht, auf 150 bis 160 Mill. DM veranschlagt. Außerdem habe diese Gesellschaft, deren Kapital zu 70 v. H. bei der C. H. Knorr AG, Heilbronn, und zu 30 v. H. bei der Maizena-Muttergesellschaft, der Corn Products Comp., liegt, seit zehn Jahren keine Gewinne ausgeschüttet. Die Gewinnmarge bei Markenartikeln betrage aber 13 v. H. Im übrigen habe die Maizena bei der Erhöhung ihrer Beteiligung an der Heilbronner Knorr AG selbst für die Spitze, die ihr zur qualifeierten Mehrheit von 75 v. H. fehlte, einen Kurs von 900 v. H. für die Knorr-Aktie bewilligt. Die Schutzvereinigung hält daher eine Abfindung unter diesem Kurs für nicht diskutabel.

Auf eine Opposition in der Hauptversammlung von Knorr muß die Schutzvereinigung allerdings aus formalrechtlichen Gründen verzichten, da sie über den Wert von Knorr erst unterrichtet wurde, als die Frist zur Anmeldung einer Opposition sehen verstrichen war. Es ist aber betrüblich genug, daß sich ausgerechnet in einer Zeit, in der man sich allseits intensiv um eine Popularisierung des Aktiensparens bemüht und damit auch den "kleinen Mann" mit den volkswirtschaftlichen Zusammenhängen etwas vertrauter machen will, wieder ein bekanntes und angesehenes Unternehmen sich der Publizität entzieht: Besonders befremden muß es dabei, daß diese Flucht eine Gesellschaft unternimmt, die sich indirekt in amerikanischem Besitz befindet – da vor noch nicht allzu langer Zeit gerade die Amerikaner darüber geklagt haben, daß die deutschen Unternehmen nicht publizitätsfreudig genug seien. C. D.