Von Paul Hühnerfeld

Es mag ungewöhnlich sein, daß der Rezensent seine Kritik mit einem Geständnis beginnt; doch da ein solches Geständnis hier zur Sache selbst gehört, möge man es mir erlauben: Ich habe die Faszination, mit der viele deutsche Leser den Büchern Gerd Gaisers erlegen sind, bisher nie verstanden. So habe ich mich mit nicht allzu großer Lust an die Lektüre von Gaisers neuestem Buch

Gerd Gaiser: "Sizilianische Notizen"; Carl Hanser Verlag, München; 143 S., 10,80 DM

gemacht, und siehe da: dieses doch Vergleichsweise mit nicht so bedeutenden Intentionen geschriebene Buch (denn es bleibt ein freundliches Nebenprodukt, selbst wenn der Verlag ankündigt, "daß hier alles andere als ein Nebenwerk des Autors vorliegt") hat mich überzeugt.

Die erste Entdeckung, die den kritischen Leser bei der Lektüre dieser Notizen wohl freudig stimmen kann, macht man gleich auf der ersten Seite: Gaiser hat Humor, Sinn für Situationskomik. Er schildert das Erwachen in der Schlafkoje des Dampfers, der sich der sizilianischen Küste nähert.

Unser Autor ist umgeben von schnauzbärtigen Männern in roten Waffenröcken. "An den Röcken saßen Knöpfe, so groß und blank wie Spiegeleier, und auf ihnen prangten Epauletten, größer als Gemüsekörbe... Dann sah ich gebeugte, prall angespannte Rücken sich bewegen. Die Rücken gehörten Männern, schnurrbärtigen Riesen, die bemüht waren, sich in alle die Pracht zu zwängen. Sie bogen und redeten sich und wippten in den Monturen ... Ich hörte sie nicht reden, das Werk des Ankleidens beschäftigte sie ganz und gar. Dabei hatten den Abend zuvor sich nur Männer in gestreiften Anzügen zur Ruhe gelegt."

Dieser Beginn scheint typisch für ein Buch, das eine gelungene Mischung aus Bildungsreise und Erholung schildert.