Der Zins auf dem Geldmarkt wird nach oben durch den Diskont und nach unten durch die Abgabesätze für Geldmarktpapiere bestimmt. Steigen die Sätze am Geldmarkt über den Diskont (zur Zeit 2 3/4 v. H.), dann verschaffen sich die Banken durch die Diskontierung von Wechseln zusätzliches Notenbankgeld; fällt der Geldmarktsatz unter die vergleichbaren Abgabesätze für Geldmarktpapiere (für Schatzwechsel 2 v. H.), dann werden die Geschäftsbanken diese erwerben.

Nun aber sind die deutschen Geldmärkte nicht mehr abgeschirmt. Die D-Mark ist voll konvertibel; deutsche Banken können im Ausland Geld anlegen und ausländische Banken deutsche Geldmarktpapiere erwerben. Daraus ergibt sich für die Bundesbank der Zwang, die Grenzen der Geldzinsen zu verteidigen.

Neuerdings verteidigt die Bundesbank ihre beiden Limiten durch Swap-Geschäfte. Erhält bei einem Swap-Geschäft der Käufer von Kassadollar und Verkäufer von Termindollar in den USA eine höhere Verzinsung als er für die D-Mark erzielen kann, so wird er dem Hereingeber, der ihm die Dollar zur Verfügung stellt, eine Vergütung, d. h. einen Deport zu zahlen haben. Im umgekehrten Fall wird ein Report vereinbart werden. Das gilt in einer Marktwirtschaft schlechthin. Swap-Geschäfte über so große Beträge, wie sie bei Geldexportgeschäften in Frage kommen, schließt heute praktisch nur die Bundesbank ab.

Nun bringen heute US-Treasury Bills mit einer Laufzeit von drei Monaten eine Verzinsung von etwa 3 1/4 v. H. Das ist wesentlich mehr, als am deutschen Geldmarkt erzielt werden könnte Es besteht ein beachtliches Zinsgefälle. Dieses müßte, wenn die Bundesbank auch jetzt noch auf einen Deport verzichtete, wahrscheinlich zu einem stürmischen Abfluß von Geldern führen. Durch den Deport aber, der im Augenblick v. H. beträgt, wird die Zinsdifferenz verkleinert und damit die Intensität des Geldexportes abgeschwächt.

Es hieße die Dinge verkennen, wenn man annehmen würde, daß die Bundesbank den Deport willkürlich festsetze. Bei integrierten Geldmärkten – wie sie heute wieder bestehen – vermag sich auch die Bundesbank auf die Dauer nicht sehr weit von der Marktlage zu entfernen. W. R.