Bessere Chancen für beschlagnahmtes deutsches Eigentum? – Hearings haben begonnen

Im Rechtsausschuß des US-Senats haben am 18. Juni die öffentlichen Hearings über das beschlagnahmte deutsche und japanische Eigentum begonnen. Im Repräsentantenhaus wird schon seit längerer Zeit über diese Frage diskutiert, deren Lösung nach persönlichen Äußerungen amerikanischer Diplomaten und Beamten die Überwindung der letzten noch bestehenden Hürde auf dem Wege zur völligen Normalisierung der amerikanisch-deutschen Beziehungen bedeuten würde.

Give everybody a chance! – hier sinngemäß daß jedermann zu Wort kommen – dieses Prinzip beherrscht die öffentlichen Sitzungen des Senats und des Abgeordnetenhauses. Es versteht sich, daß auch die amerikanische Presse bei Hearings von grundsätzlicher Bedeutung stark vertreten ist. Eine geschickte Regie der leitenden Senatoren oder Abgeordneten sorgt dafür, daß die Vertreter bestimmter Interessen – etwa die glänzend organisierte und finanzkräftige Gruppe der Rückgabegegner – das Feld nicht allein beherrschen.

Leidenschaftlich diskutiert

Die Regie der entscheidenden Hearings über das "Alien Property (das "Feindvermögen") liegt in Händen von Harlan Wood. Der süddemokratische Senator Olin D. Johnston der sich durch schonungslose Kritik der auf kommunistische Infiltration des Justizministeriums unter Morgenthau zurückgehenden Beschlagnahme-Politik der USA einen Namen gemacht hat, leitet die Hearings. In Sachen "Feindvermögens-Komplex" sind in Washington bereits verschiedene Hearings veranstaltet worden. Es gibt wohl kaum ein Thema, das die Amerikaner in den letzten Jahren so ausführlich und so leidenschaftlich behandelt haben wie das des beschlagnahmten Vermögens. Im Auswärtigen Amt in Bonn hört man, daß das Drucksachenmaterial dazu mehr als 4000 Seiten umfaßt. Unabhängige amerikanische Anwälte in Washington erklären empört, für die Vermögensverwaltung – welche die "Feindvermögensverwalter" mit einem Bataillon von Anwälten unter Federführung des Justizministeriums besorgen – seien "bereits rund 70 Mill. Dollar verpulvert" worden.

Im Gespräch mit den amerikanischen Senatoren Jenner, Dirksen, Johnston, Hruska und Langer merkt man als deutscher Besucher, daß diese Tatsache nicht auf die leichte Schulter genommen wird.

Nixon und Dillon eingeschaltet