Die Posener Messe, die bis zum 21. Juni dauerte, hätte für Polen ein großer Erfolg werden können. Die Veranstalter hatten sich große Mühe gegeben, und es war der Leitung auch gelungen, Aussteller aus 47 Staaten nach Polen zu locken.

Die polnischen Firmen traten als selbständige Aussteller auf – eine sehr erfreuliche Tatsache im Vergleich zu Leipzig, wo die Betriebe der DDR durch ihre schwerfälligen "Vereinigungen Volkseigener Betriebe" vertreten werden. Als besonderes Novum stellte Polen seine Agrarerzeugnisse und hochwertigen Nahrungsmittel heraus, die vor dem Krieg zu den traditionellen Exportartikeln des Landes gehörten.

All das war so vernünftig, daß man eigentlich nur beste Geschäfte hätte erwarten können. Und doch warteten die westlichen Aussteller vergeblich. Unter ihnen befanden sich viele Firmen aus der Bundesrepublik, die der größte Aussteller in Posen war, gefolgt von den USA, die diesmal auf Propaganda verzichteten und statt dessen mit Automaten zur Herstellung von Zigaretten und Verpackungen sowie Waschmaschinen und Bügelapparaten viel stärker beeindruckten.

Die Schuld an dem geringfügigen Posener Messegeschäft tragen keineswegs die Polen, die den Ausstellern aus der Bundesrepublik nachdrücklich versicherten, daß sie an weiteren Geschäften interessiert seien. Doch was nützt Warschau die Reorganisation des Wirtschaftssystems durch einen so hervorragenden Mann wie den "polnischen Erhard", Prof. Oskar Lange (dem allerdings Moskau Schwierigkeiten macht, obwohl die Sowjetunion nicht über einen einzigen Wissenschaftler von solchem Format verfügt?

Zur gleichen Zeit nämlich, da sich die Polen in Posen auf Geschäfte mit dem Westen freuten, übte der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe ("Comecon") auf Polen einen starken Druck aus, im Westen gekaufte Ausrüstungen der Schwerindustrie wieder im Westen gegen US-Dollar abzustoßen. Den Polen ist der Mut dabei vergangen, auf der Posener Messe weitere Erzeugnisse der Schwerindustrie des Westens zu erwerben.

Die Kontroverse zwischen Warschau und Moskau begann schon im Herbst 1958. Die Sowjetunion kritisierte damals den nationalen polnischen Entwicklungsplan und erhob scharfen Einspruch gegen einen weiteren Ausbau von Industrien, für welche im Rahmen des Planes zur Arbeitsteilung innerhalb des Ostblocks andere Comecon-Mitgliedstaaten vorgesehen waren.

Polen wagte es danach nicht, die eingeführten Ausrüstungen sofort in Betrieb zu nehmen. Sie wurden eingelagert.