• Nach 41 Verhandlungstagen hat sich die Genfer Außenministerkonferenz auf den 13. Juli vertagt. Eine nennenswerte Annäherung der Standpunkte hatte sich in den vorangegangenen sechs Wochen weder bei den öffentlichen noch bei den geheimen Sitzungen ergeben. Wiedervereinigung, europäische Sicherheit, Berlin – alle diese Probleme bleiben ungelöst.

Ob die 23 Tage Konferenzpause den Mächten endlich die Möglichkeit zu jenen vertraulichen Sondierungen geben, die im Genfer Trubel trotz aller "Geheimsitzungen" viel zur kurz gekommen sind!

  • Mit einer Kundgebung im Großen Kremlsaal wurde der Besuch Ulbrichts und Grotewohls in der Sowjetunion abgeschlossen. Er leitete – so Ulbricht – eine Phase "noch engerer Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet" ein. Chruschtschow gab der DDR-Delegation ein feierliches Uterstützungsversprechen für den Fall, daß die Westmächte ihre Rechte in Berlin nach dem Abschluß eines Separatfriedens "mit Gewalt" aufrechtzuerhalten versuchten.

Für die zweite Etappe der Genfer Konferenz, deren Vertagung sie beschleunigte, war Chruschtschows Rede ein schlechtes Omen.

  • Bundestagspräsident Gerstenmaier hat die Bundesversammlung zum 1. Juli nach Berlin, in die alte deutsche Hauptstadt, einberufen. Die CDU/CSU-Fraktion hatte sich zunächst dagegen gesträubt, weil sie befürchtete, dieser Schritt könnte den Sowjets eiren Vorwand zum Abbruch der Genfer Konferenz geben.

Die Vertagung der Außenministerkonferenz gab Gerstenmaier die Möglichkeit, die Bedenken der Fraktion und der Bundesregierung beiseite zu schieben.

  • Eine Kanzler-Kanonade von Interviews, bei der Erhard von neuem mehrfach verwundet wurde, löste eine zweite Krise in Partei und Kabinett aus. Die Zornesflammen loderten hell, wurden aber durch einen Briefwechsel rasch wieder erstickt.