RH-Hamburg

Herz erwünscht, Vermögen angenehm, Dreizimmerwohnung vorhanden, lebensfrohes Gemüt und sportliche Gesinnung geboten (wenn auch noch Nichttänzer), Wagen angenehm, gesicherte Position Bedingung. – Spezifizierte Wünsche solcher Art bilden die Hauptbestandteile der Heiratswünsche in den Annoncen. Idealisten finden sich selten unter den Inserenten. "Ich Künstler, du reich", wie kürzlich zu lesen war, ist auch nicht unter die Weltfremden zu rechnen. Aber jetzt hat einer inseriert, dem es um etwas ganz Immaterielles geht, um nichts als Ton und Klang, möglichst um Wohlklang.

"Rheinländer, 25 Jahre alt, sucht Tonbandfreundin zwecks Bandaustausch."

"Zwecks Bandaustausch" hat "zwecks Briefwechsel" abgelöst. Mann mit Tonbandgerät entspricht dem altmodischen Witwer mit Kind. Da sitzt er nun wohl am Feierabend vor seinem grauen Koffer und spricht Antworten an die ferne noch unbekannte Freundin vor sich hin. Und wartet auf den Postboten, der ein flaches Päckchen bringen soll, das eine Stimme enthält, die ihm gefällt.

"Durch die Entfernung entsprang für unsere Neigung ein neues Leben. Entfernt von mir arbeitete sie für mich und dachte auf irgendeine neue Unterhaltung, wenn ich zurückkäme, entfernt von ihr beschäftigte ich mich für sie, um durch eine neue Gabe, einen neuen Einfall ihr wieder neu zu sein. Gemalte Bänder waren damals eben erst Mode geworden, ich malte ihr gleich ein paar Stücke und sendete sie mit einem kleinen Gedicht voraus:

Kleine Blumen, kleine Blätter

Streuen mir mit leichter Hand