Murnau ist eine Schnell- und Eilzugstation der Strecke München – Garmisch. Dort steigt man aus und geht möglichst zu Fuß weiter. Das Städtchen selbst rangiert unter der Bezeichnung Marktflecken. Es hat eine berühmte Hauptstraße mit farbig bemalten alten Häusern, und es hatte eine Mariensäule, die ihm den Kosenamen Klein Innsbruck eintrug und die von der allein ausschlaggebenden Motorisierung kassiert wurde. Schade.

Für die Motorisierten sind die breiten Asphaltstraßen da und dann die teilweise noch holprigen und ungepflasterten Fahrwege, gebaut für Pferde und Bauernfuhrwerke. Kluge Leute gehen lieber zu Fuß zum See, der verhältnismäßig früh im Jahr zum Bade ladet. Es sind übrigens deren drei. Wer es gern ruhig hat, wandert zur zwiefachen Wasserfläche des Riegsees und des Froschhausener Sees, die nur durch einen schmalen Wiesenstreifen getrennt sind. Es sind stille Moränenseen, die Acker reichen bis an die Ufer heran, die bunten Heuwender stehen neben den Badenden, kleine Wälder grenzen sie gegen die Landstraße ab. Man zieht sich im Wagen um oder, im Ufergebüsch, guckt über beruhigendes Voralpenland auf die Bergketten vom Estergebirge und Wetterstein, ist sicher vor Motorbooten und gibt sich gelassen dem gesündesten aller Sportarten hin. Rundherum liegen die Dörfer Riegsee, Froschhausen, Hofheim. Man kann überall wohnen und essen und hat in der Nachbarschaft waldige Höhenspaziergänge und etliche schöne Erzeugnisse des bayrischen Kirchenbarock. Entfernung von Murnau: zwei bis fünf Kilometer.

Der Hauptsee ist der Staffelsee, der wärmste von Oberbayern, mit einer Wasserfläche von ungefähr sieben Quadratkilometern. Die reizvolle Vielfalt der Buchten, die sieben Inseln dazu, lassen den Umfang des Staffelsees kaum glaubhaft erscheinen. Wörth die größte Insel – sie mißt 360 000 Quadratmeter, die kleinste 140 Quadratmeter – war schon in vorchristlicher Zeit besiedelt. Später haben Kloster und Kirche der Insel von den Zeiten des hl. Bonifatius bis in die Neuzeit als Bischofssitz ihre Rolle gespielt; es gibt in dieser – "Pfaffenwinkel" genannten – Gegend Oberbayerns ja kaum einen Platz, der nicht in Geschichte und Kulturgeschichte des Christentums bekanntgeworden wäre. Hier sind schon viele Historiker, Kunsthistoriker und Heimatforscher in diesem Gebiet auch noch neben der Erholung auf ihre Kosten gekommen.

Wer nur Erholung sucht, möge schwimmen, angeln, wandern, rudern. (Der Motorbootverkehr hält sich auch auf dem Staffelsee in Gegensatz zu anderen oberbayerischen Seen in erträglichen Grenzen.) Das Land ringsum ist reich an lohnenden Ausflugszielen, von denen sich viele zu Fuß und Rad erreichen lassen. Das weite Murnauer Moor, das die Landschaft an sonnenarmen Tagen in einen Schleier sanfter Melancholie taucht, sorgt für verhältnismäßige Milde des Klimas – und im nahen Kohlgrub für heilkräftige Quellen! Am Staffelsee selbst liegen zwei Sommerfrischen: das größere Uffing und das dörflichere Seehausen, das nur zehn Fußminuten von Murnau entfernt ist; man kann also abends ins Kino gehen oder nachmittags in die größeren Cafés. Aber gerade Seehausen hat sich noch einen angenehm ländlichen Charakter bewahrt, mit wohlhabenden Bauernhöfen neben neuen Landhäusern. Die Meereshöhe der Gegend beträgt rund 650 bis 700 Meter. Die Vollpensionspreise beginnen in und um Murnau bei acht Mark. Es gibt Diätheime, Arrangements für Halbpension und Privatquartiere. Keine Luxushotels, aber die Annehmlichkeiten eines sorgsam betreuten Luftkurorts, Kurpark, Lesesaal und außer Wassersport auch Tennis, Reiten, Minigolf, Seefeste und Alpenrundfahrten – auch Busfahrten etwa zu Konzerten in der Wieskirche. Am besten, man nimmt sich nicht zuviel vor, sondern bleibt an und in den Seen. M. M. G.