"Soll denn der sattsam bekannte Mercedes mit dem Kassenpatienten, soll denn die Direktorengattin im Nerzmantel mit Krankenschein, sollen denn all diese Ärgernisse... verewigt werden

Dr. med. Fromm, Hamburg, Präsident der Bundesärztekammer, vor. dem Deutschen Ärztetäg.

Die aus allen Ländern der Bundesrepublik nach Lübeck zum Ärztetag entsandten Standesvertreter wollten die ständig zunehmende Ausdehnung der Sozialversicherung nicht etwa unterstützen. Kein Staat kann seinen Ärzten zumuten, vier Fünftel des Volkes zu den Honorarsätzen einer für einkommensschwache Erwerbstätige gedachten Versicherung zu behandeln.

Seit Beginn der Reformdebatte gilt das Augenmerk der Ärzte vor allem jenen. Millionen freiwillig Sozialversicherten‚ die ungeachtet ihrer überdurchschnittlichen Einkommen die gesetzliche Krankenversicherung in Anspruch nehmen dürfen. Dies geschieht auf Kosten

1. der Ärzte, die auch für die Behandlung dieser gutsituierten Patienten nur Mindesthonorare beziehen;

2. der Allgemeinheit, die über steuerliche Vergünstigungen die Sozialkassen subventionieren hilft;

3. der Pflichtversicherten, die zum Teil höhere Beiträge zu zahlen haben, als die wegen ihres hohen Einkommens aus der Versicherungspflicht entlassenen freiwillig Weiterversicherten (vor allem bei den Ersatzkassen).