Die jüngsten Hauptversammlungen vonUnternehmen des Steinkohlenbergbaus haben gezeigt, daß die Aktionäre dieser Gesellschaften viel Verständnis für die von der Kohlenkrise ramponierte Ertragslage der Zechen aufbringen. Während die Hauptversammlung der Rheinpreußen AG für Bergbau und Chemie, Homberg/Niederrhein die Herabsetzung der Dividende von 8 auf 7 v. H. einstimmig gebilligt hat, ging bei der Harpener Bergbau AG, Dortmund sogar der dividendenlose Abschluß für das Geschäftsjahr 1958 reibungslos über die Bühne. Bei Harpen wurde den Minderheitsaktionären – 75 v.H. des Kapitals liegen bekanntlich bei der französischen Sidéchar-Gruppe – von dem AR-Vorsitzer Dr. Ferdinand Marx am Schluß der HV ausdrücklich bescheinigt, daß sie Mitgefühl mit den Geschicken der Gesellschaft bewiesen hätten! Dabei haben sich die Aktionäre aber wohl in erster Linie von den beschwörenden Worten des Aufsichtsratsvorsitzers beeindrucken lassen. Nachdem die Politik der Bundesregierung es erreicht habe, so betonte Dr. Marx, daß Deutschland zum Abladeplatz der Welt für Öl geworden sei, müsse die Förderung der westdeutschen Zechen um weitere 20 Mill. t auf 100 Mill. t zurückgeschraubt werden, wenn sich die Kohle der Nachfrage anpassen wolle. "Wir wissen nicht, wohin die Reise geht..., wir wissen nur, daß dem Bergbau noch schwere Zeiten bevorstehen, wenn die bisherige Entwicklung unverändert weitergeht..." Deswegen müßten die Bergwerksgesellschaften ihre Dispositionen so einrichten, daß bei einer Verschlechterung der Absatzverhältnisse eine Erschütterung der Unternehmungen vermieden werde. Damit wurde bei Harpen der Dividendenausfall erklärt – und gebilligt.

Zu einer einstimmigen Annahme der Vorschläge der Verwaltung kam es auch bei Rheinpreußen. Allerdings waren hier die Ausführungen der Verwaltung über die Zukunftsaussichten eine Spur optimistischer. Das Unternehmen hege die Hoffnung, so hieß es, daß eine Konsolidierung der Verhältnisse erreicht werde. Das Rheinpreußen-Vorstandsmitglied Wolfgang Curtius appellierte nachdrücklich an die Selbstbesinnung bei der Kohle. Das akzeptable Programm, das er in der Hauptversammlung vorschlug, lautet: Leistungssteigerung ohne Fördersteigerung, Verbesserung der Wirtschaftlichkeit durch Investitionen und Einsparungen, Zusammenfassung von Betrieben, Feldertausch zwischen den Bergbaugesellschaften, Zusammenschluß von Unternehmungen und schließlich Auslaufen unwirtschaftlicher Anlagen.

Um diese Forderungen zu erhärten, konnte Vorstandsmitglied Dipl. Berg. Ing. Wilhelm Reuter auf die bei Rheinpreußen tatkräftig eingeleiteten Maßnahmen hinweisen. Das Unternehmen strebt eine Konzentration der Förderung auf zwei moderne Großschachtanlagen an.

Auch bei der Steinkohlenbergwerke Mathias Stinnes AG, Essen, waren der vorgelegte Abschluß und die Ausführungen des Aufsichtsratsvorsitzers Heinz P. Kemper so überzeugend, daß die Hauptversammlung ohne jede Diskussion verlief. Allerdings hat hier die Kohlenkrise bisher auch keine Opfer von den Aktionären verlangt. Nach reiflicher Überlegung, so war in der HV zu hören, werde Mathias Stinnes den Bau der neuen Großschachtanlage Wulfen weiterführen, weil sich das Bild des Energiemarktes in wenigen Jahren ändern und die Kohle wieder gefragt sein werde. Generaldirektor Kemper stellte den Aktionären eine Kapitalerhöhung in Aussicht, da die Baukosten nicht, wie vorgesehen, aus den Erträgnissen der alten Zechen erwirtschaftet werden könnten.

nmn.