DK-Hamburg

Da ist in München ein Herr Meyer auf einen Gedanken gekommen: Wer ihm sein Foto, seine Daten und hundert Deutsche Mark schickt, der erscheint im "Prominentenlexikon", das dieser pfiffige Mann herausgeben will.

Das Geld liegt also nicht auf der Straße, wie immer wieder behauptet wird. Es liegt in den Büchern. Ja, es liegt sogar schon länger als hundert Jahre in einem bestimmten Buch. Man muß es nur zu finden wissen. Es liegt im Schnabelewopski von Heinrich Heine:

"Ich würde nicht ermangeln, mehrere von den Söhnen Hammonias hervorzuloben und einige Männer, die man ganz besonders hochschätzt – namentlich diejenigen, welche man auf einige Millionen Mark Banko zu schätzen pflegt – aufs prächtigste zu rühmen; aber ich will in diesem Augenblick meinen Enthusiasmus unterdrücken, damit er späterhin in desto helleren Flammen emporlodere. Ich habe nämlich nichts Geringeres im Sinn, als einen Ehrentempel Hamburgs herauszugeben, ganz nach demselben Plane, welchen schon vor zehn Jahren ein berühmter Schriftsteller entworfen hat, der in dieser Absicht jeden Hamburger aufforderte, ihm ein spezifiziertes Inventarium seiner speziellen Tugenden nebst einem Speziestaler aufs schleunigste einzusenden."

Der Ehrentempel kam damals nicht zustande; wie Heine vermutet, "weil der hoch- und wohlweise Senat aus allzugroßer Bescheidenheit das Projekt hintertrieben hat, indem er dem Baumeister seines eigenen Ehrentempels plötzlich die Weisung gab, binnen vierundzwanzig Stunden das hamburgische Gebiet mit allen seinen Tugenden zu verlassen"

Herr Meyer aus München sucht die Tugenden auf weiterem Felde – in der gesamten Bundesrepublik, und man kann nicht wissen, ob sich jetzt und hier genügend "allzugroße Bescheidenheit" finden ließe, um zu erreichen, daß binnen ... er solches zu unterlassen hätte.