Ein Fernsehfilm "Kopfgeld" aus Frankfurt am Main führte zurück in die Tage vor der Währungsreform. Ingenieur Zander, der wichtige Patente besitzt, lebt mit seiner Frau und einem Malerfreunde in einer Baracke vom Schrottsammeln, Plakatmalen und vom Schwarzhandel. Seinem früheren Chef, der ihn aufsucht, lehnt er die Rückkehr in dessen wieder aufbauendes Industriewerk ab. Die Jungen haben gute Vorsätze: nicht noch einmal in die Rüstung schliddern; es muß jetzt alles grundsätzlich anders werden. Da kommt die Währungsreform, und mit den 40 DM Kopfgeld geht’s los. Das Erfolgsfieber packt den Ingenieur Zander. Er tritt in Wettbewerb zu seinem früheren Chef, schafft und schuftet, bis der väterliche Freund als Konkurrent und Person tot auf der Strecke bleibt und Zander selbst im Augenblick seines höchsten Triumphes vom Herzinfarkt niedergeworfen wird. Frau, Familie und lange Zeit auch den Freund hat er im Arbeitstaumel innerlich längst verloren.

Das Drehbuch von Horst Mönnich mag hier und da nicht abgerundet sein. Verdienstlich sind dennoch solch filmischer Appell ans Zuschauergewissen und die Aufdeckung von fragwürdigen Triebkräften, die unser Wirtschaftswunder mitgeschaffen haben. Auch als Schmalfilmaufnahme brauchte ein Fernsehfilm allerdings nicht so unzulänglich ausgeleuchtet sein wie "Kopfgeld". Dennoch bietet die "Schmalspur" des Fernsehfilms einige bemerkenswerte Vorteile gegenüber dem Normalfilm der Kinos. Er ist nicht auf die genormten Längen des Spiel- und Kulturfilms festgelegt, sondern kann seinen Umfang nach dem Thema bestimmen. Außerdem ist das Fernsehen, unabhängiger von Spekulationen, auf den sagenhaften "Publikumsgeschmack", wie sie als Hemmschuh für mutige Initiative der Filmverleih anzustellen pflegt. In diesem Filmstreifen "Kopfgeld" kamen unter der sorgsamen Regie von Rolf Hädrich gute schauspielerische Leistungen hinzu, vor allem in der Hauptrolle des Zander, der von Peter Schütte ausgezeichnet gespielt wurde; ferner von Annette Schleiermacher und – so präzis wie lange nicht – von Robert Meyn, dem faszinierend vornehmen Vertreter des Gestern.

Johannes Jacobi

Das Beste an Carl Zuckmayers "deutschem Märchen" vom Hauptmann von Köpenick wird immer bleiben: daß die Zeitsatire mit soviel echtem Humor, mit soviel menschlicher Wärme durchstrahlt und dadurch der Sphäre des unfruchtbaren Tendenzstückes enthoben wurde. Man wird den Qualitäten dieses noblen Bühnenreißers – wenn das Paradoxon erlaubt ist – am meisten gerecht werden, indem man die drastischen Züge, die ohnehin durch sich selbst genug wirken, möglichst nicht noch unterstreicht, dagegen die Zwischentöne hervorhebt und das Sparsam-Hintergründige behutsam belichtet.

Auf dem Theater ist es vielleicht schwieriger, dem herausfordernden Reiz der visuellen Komik nicht hemmungslos nachzugeben. Andererseits aber auch wieder leichter, die Gegengewichte sichtbar, zu machen. Insofern haben Bühne und Rundfunk hier zwar verschiedene, aber gleichwertige Chancen. Die von Heinz Günter Stamm regielich betreute Funkbearbeitung Hellmut von Cubes, die der Bayerische Sender seinen Hörern anbot, hat in der akustischen Umwertung der optischen Effekte jede naheliegende Übertreibung gemieden und die Möglichkeiten, mancher Wortnuance ihr Recht zu geben, klug ausgenutzt. Die hervorragenden Sprecher Paul Bildt (Schuster Voigt), Friedrich Domin (Hoprecht) und der sicher pointierende Werner Hinz (Bürgermeister Obermüller) waren dabei bestlegitimierte Interpreten einer Dichtung, die nicht als Posse mit tragischen Einlagen mißverstanden werden konnte. A-th