In Berlin soll eine neue Philharmonie gebaut werden. Die Jury von Kunstexperten erteilte dem Architekten Scharoun den ersten Preis. Dieselbe Jury mußte mit Rücktritt und Skandal drohen, mußte selber in die Niederungen kommunalpolitischer Kontroversen hinuntersteigen, damit ihrem Erwählten außer dem Preis auch der Auftrag gesichert werde. Es gibt Fachleute, die den "inneren Auftrag", nämlich den Kunstrang, erkennen können. Aber sie werden ebenso wie die Wettbewerbskünstler für ihre dankenswerten "Dienste" von der Kommune honoriert. Dann stellt man sie – sagen wir’s milde – "zur Disposition". Das letzte Wort beanspruchen dann die Anwälte des "äußeren Auftrags";

Gesellschaft und Künstler – äußerer und innerer Auftrag sind seit langem auseinandergefallen. Schicksalsmäßig. Sollte irgendwo heute große Kunst entstehen, sie ist keine bürgerliche, keine gesellschaftsfähige Kunst. Sie schlägt Alarm.

Mitten in Rotterdam steht eine Freiplastik. Das ist ein zerrissenes Gebilde. Es zeigt einen schon halb zerfetzten Menschen im Aufschrei gegen das deutsche Stuka-Bombardement im zweiten Weltkrieg. Dieses Monument des Entsetzens ist gewiß nicht als Demonstration gegen die Deutschen errichtet worden. Kommen sie als Gäste Schuiwesens heute nach Rotterdam, sie verweilen still und werden bescheiden.

Nein, diese Schicksalsreminiszenz statuierten die Rotterdamer für sich selbst als Gegenbild zu dem im übrigen höchst soliden, sehr intakten "wiederaufgebauten" Stadtbild. Hier ist ausnahmsweise einmal der innere Auftrag" eines Künstlers von Bürgern akzeptiert und öffentliches Monument geworden. Jac