Die Bereicherung des deutschen Repertoires durch ausländische Marken nimmt ihren Fortgang: Neben der Prager Supraphon Gesellschaft, über die wir bereits berichtet haben, wird jetzt auch die amerikanische Firma Westminster bei uns heimisch. Sie tritt zunächst mit etwa fünfzig Titeln auf den Plan; die unter dem Namen Heliodor von der Deutschen Grammophon Gesellschaft vertrieben werden.

Beethoven, Symphonien Nr. 3, 7 und 9 (Hermann Scherchen); Brahms, Symphonie Nr. 1 nien Nr. 103 und 104 (Scherchen); Mozart, Und ArtUr Rodzinski); Joseph Haydn, Symphonien Nr. 103 und 104 (Scherchen); Mozart; Requiem K. 626 (Scherchen); Richard Strauß, Don Juan und Till Eulenspiegels lustige Streiche (Rodzinski); Tschaikowskij, Symphonien Nr. 4, 5 und 6 (Rodzinski). Alle Aufnahmen Heliodor;

Bemerkenswert an diesen Heliodorplatten ist zunächst das hohe Niveau der Interpretation. Dirigenten wie der aus Berlin stammende Hermann Scherchen oder der Pole Artur Rodzinski sind wegen ihrer textstrengen und niemals manirierten Auffassung bekanntgeworden. Erika Mörini, die in New York lebende Wiener Geigerin, Edith Farnadi, die Pianistin aus Budapest, oder der Edwin-Fischer-Schüler Jörg Demus haben bereits einen großen Namen, waren aber bei uns bisher nur mit ganz vereinzelten Aufnahmen oder überhaupt nicht vertreten.

Weiterhin fällt die vom "breiten Wege" abschwenkende Programmgestaltung auf. So bringt zum Beispiel Jörg Demus von Schumann nicht etwa nur das allbekannte Klavierkonzert in a-Moll, sondern auch die selten gehörten Kompositionen für Klavier und Orchester: das Konzertstück op. 139 sowie Introduktion und Allegro op. 92, während Edith Farnach Tschaikowskijs erstem Klavierkonzert in b-Moll das zweite G-Dur anschließt; Scheuchen, dirigiert.

Scherchens kraftvolle, zugleich wohltuend ausgeglichene Darstellungskunst kömmt am eindrucksvollsten in seinen symphonischen Aufnahmen zur Geltung. Unter ihnen nenne ich besonders die beiden Haydn-Symphonien Nr. 103 und Nr. 104, Beethovens Eroica‚ Siebente und – mit ausgezeichneten Solisten und einem sehr disziplinierten Chor – die Neunte. In den letztgenannten beiden Werken wird die Verschmelzung von kompromißloser Rhythmik und sorgsamer Phrasierung der gesanglichen Partien besonders deutlich: heftige Dynamik, grelle Kontraste, derbe Vitalität wechseln mit eindringlicher, zarter Darstellung des lyrischen Gehaltes ab.

Bei Rodzinski besticht das Ebenmaß seines Stiles. So ist er ein idealer Partner für die Instrumentalsolisten. Die Aufnähme des Brahmsschen Violinkonzertes mit Erika Morini und der schon genannten Schumannsehen Werke sind Musterbeispiele fein abgewogener Klangbalance.

Eine lebendige, in ihrer ernsten Dramatik überwältigende Aufnahme von Mozarts Requiem K. 626 durch Scheuchen, bei der Sena Juririac mitwirkt, bildet den Höhepunkt dieser ersten Gruppe von Westminster-Schallplatten. Chr.