h-e, Kiel

Kiel hat seine großen Stunden für dieses Jahr wieder hinter sich. Am vergangenen Sonntag setzten die berstenden Raketen des großen Feuerwerks den farbenprächtigen Schlußpunkt hinter die 77. Kieler Woche Es war eine Woche der Superlative: die größte Teilnehmerzahl (398 Jachten), die größte internationale Beteiligung seit 1945 (16 Nationen), die Höchstzahl ausländischer Kriegsschiffe seit Kriegsende im Kieler Hafen, das glänzendste und vielseitigste kulturelle "Rahmenprogramm".

Nur eines stimmte etwas traurig: So viele Meldungen zur Regatta auch eingingen, diejenigen, auf die man seit Jahren wartet, blieben auch in diesem Jahr aus: die mitteldeutschen Seglerkameraden durften nicht kommen, während Ungarn und Polen teilnehmen konnten.

Ein Gast wurde in Kiel mit besonderer Herzlichkeit begrüßt: Bundespräsident Heuss. Daß er Zur Kieler Woche kam, war nach acht vorhergegangenen Besuchen schon fast eine Selbstverständlichkeit. Aber noch nie ist er von den gewiß nicht stürmischen Kielern mit Beifall so überschüttet worden wie in diesem Jahr.

Die Segler hatten diesmal fast bis zum letzten Tag Kaiserwetter: Sonnenschein und steife Brisen. Davon allerdings mehr als genug. Mehrfach mußten deshalb Starts verschoben werden. Ein ganzer Regattatag fiel sogar aus. Auch am folgenden Morgen noch zogen es zahlreiche Segler vor, ihre Boote auf dem Strand oder in den sicheren Häfen liegen zu lassen, statt sich in halsbrecherischen Manövern durch die Brandung auf die offene See hinauszukämpfen. Eine ganze Reihe Wagemutiger, die sich trotzdem hinauswagten, mußten ihren Mut mit einem kühlen Bad bezahlen.

Das glänzende Bild der Kieler Woche wurde aber dadurch kaum beeinträchtigt. Wie auf dem Werbeplakat leuchteten die farbenprächtigen Spinnaker über den grünblauen Wellen der Förde mit ihren weißen Schaumkronen. Blau-gelb die Ballonsegel der Schweden, rot-weiß die Dänen, grün-weiß-rot die Italiener. Sogar ein schwarzweiß-roter Spinnaker wurde sichtbar: eine Reverenz vor der gleichfarbigen Tradition des Kieler Yacht-Clubs,der vor 1914 alljährlich seinen großen Förderer, Wilhelm II., als Ehrengast beim großen Regattadiner begrüßen konnte.