Bonn, Anfang Juli

Lange Zeit war seine Name nur wenigen geläufig. Erst in den jüngsten Krisenwochen ist er der westdeutschen Öffentlichkeit zum Begriff geworden: Dr. Heinrich Krone, der seit 1955 Fraktionsvorsitzender der CDU ist. In Bonn und "draußen im Lande" weiß man seitdem: daß die Krise in die der Konflikt zwischen Adenauer und Erhard die CDU/CSU gestürzt hatte, am Ende beigelegt werden konnte, das hat die Union neben dem Kanzlerfreund Robert Pferdmenges vor allem ihrem Fraktionschef Krone zu danken.

Eine "Mischung von Spielführer, Löwenbändiger und Leithammel im Zirkus Krone" haben ihn Spötter genannt. In den letzten Wochen war er vor allem der Löwenbändiger. Mit großer Redlichkeit und der ihm eigenen Geduld, zugleich aber mit einer Festigkeit, die ihm mancher nicht zugetraut hatte, bemühte er sich in den Krisenlagen um jene Erklärung des Kanzlers, mit der sich Erhard schließlich zufrieden gab.

Immerhin stand Krone dabei dem Manne gegenüber, dessen Vertrauen ihn emporgetragen hatte und dem er sich menschlich tief verpflichtet fühlt. An diesen Mann Forderungen zu stellen, ist ihm nicht leicht geworden – über er stellte sie. Es war das erste Mal, daß er den Kanzler bat, einer Fraktionssitzung fern zu bleiben. In dieser schwierigen Situation fühlte sich der Fraktionschef vor allem als Anwalt seiner Partei und ihrer gefährdeten Interessen. Dazu gehörte Mut und Selbstüberwindung.

Manche meinen zwar, Krone sei eigentlich nicht hart genug gewesen. Schließlich habe der Kanzler die Fraktion vor der Öffentlichkeit in beispielloser Weise bloßgestellt. Krone hätte deshalb – so argumentierten einige seiner Fraktionskollegen – den Kanzler zu einem noch klareren Widerruf seiner Kritik an Erhard zwingen sollen und auf eine ausdrückliche Mißbilligung seines Verhaltens durch die Fraktion Einarbeiten müssen. Aber letzten Endes wollte Krone ja einen Bruch vermeiden. Und auf jeden Fall hat er weit mehr erreicht, als ihm seine Kritiker zubilligen möchten.

Beurteilt man Krone nach seinem Verhalten in dieser peinlichen Affäre – und dies war nicht die einzige Mißhelligkeit bei der man ihn zum Schlichter bestellte – dann muß man ihm als einem geschickten, zähen, um Gerechtigkeit bemühten, mehr nach dem Kompromiß als dem Streit drängenden Manne Respekt zollen. Er zeigt sich dann als ein im Grunde weicher und gütiger Mensch, der sich notfalls aber zur Entschlossenheit durchringt.

So ist es nicht von ungefähr, daß sich viele seiner Fraktionsgenossen den 64jährigen als Bundespräsidenten wünschten und eine starke Gruppe vor einigen Monaten auf seine Kandidatur drängte. Krone hätte sich als Bundespräsident sicherlich bemüht, über den Parteien und den Streitigkeiten des Tages zu stehen. Die Frage freilich bleibt, ob er sich – ohne den Rückhalt einer Fraktion – gegenüber einem so starken Kanzler wie Adenauer behauptet hätte. Und eines hätte ihm auf jeden Fall zum Bundespräsidenten gefehlt: Krone ist kein guter Redner. Ihm gebricht es am Glanz der Formulierung und an der weithin ausstrahlenden geistigen Autorität, die allein dem politisch schwachen Präsidentenamt sein Ansehen geben kann.