Daß die Studienschule notwendig sei, beden zukünftigen Beruf gerichtet ist. Sie will der Gesellschaft eine Minderheit von Menschen liefern, die stellvertretend für alle die geschichtliche Tiefe unserer Kultur ermißt. Sie ist heunklasslg gedacht, weil der lebensfernere Üriterrichtsstöff (Latein und Griechisch — bis zur Fähigkeit, die originalen Dokumente frei zu lesen) einen Aufwand an Arbeit verlangt, für die der Schüler neun Jahre braucht.

Der Ausschuß hat um dieser Notwendigkeit willfa nicht ohne ZögefH und Bedauern in Kauf genommen, daß di e Schüler auf die Vorteile der Fördöfstufe verzichten rnüssen urid daß diese Stufe auf einen (wenn auch kleinen) Teil der Schülerschaft verzichten muß. Vielleicht lieiten sich aber in Tagesheimschülen die beiden Unterklassen der StudieösChüle in die Fördef stufe integrieren Die bilddngspolitische "Reckte 1Kritik genau an der entgegenpsitäten Stelle an. Als er um 1917 zu malen begann, war das, was 1Sie beklagt gleichfalls die Aufspaltung der höhe rSn Schule iß zwei Typen von versehiedefter Dauer; greift äbef nicht die Neanklassigkeit der Studiensehule, sondern die Verkürzung des GyrftHasiüms an (In der Sorge s daß die beiden Abiturzeugnisse als verschiedene Qualifikationen äüfgfefaßt werden würden, treffen sich übrigens die Kritiker von beiden Seiten ) Das Abitur das siebenklässägerl Gymnasiums wefde durch den Ver lüst der beiden SeXten za einer Art Primärfeif. In der Pressekonferenz aus Anlaß döf VefÖffentlicflUng des Rähriienpians hat Frau Pfpfesef Henry der Reehiiüfig 9—2 == 7 die nung 7>2 = 9 gegenübergestellt: Die zwöi Jähre ehefi defn GymnasiüM nicht verlörgn, wenn die Zehn- und Elfjährigen in der neuen Förderstufe durch Lehrer aller drei Oberschultypen nicht nur allgemein gefördert" werden, sondern auch auf eine ihrem Älter entsprechende Art emen Teil des Unterrichtsstoffs verarbeiten, def jetzt in den beiden Sexten gelehrt wird Öle Kritiker halten diesem Argument entgegen, daß der gemeinsame "Stammühterrieht 4der Fördefstufe auf jeden Fäll die "Kurse für die künftigen höheren Schüler überwiege. Hinter dun facfepädägögischen Eiriwlndüö ea stelilä freilich noch äntee; vor allem dgr Midungspolitische Einwand, daß wir nicht ftltf besser qualifizierte, sondern auch mehr Abiturienten brauchten.

Für die Meinung des Ausschusses läßt sich seteü der zusätzliche Bedarf an Abiturienten anführen, der allein durch lebensnotwendige Maßnahmen in der Volksschule (neuntes Schuljahr, Beseitigung des SchiehtanterrichtSj Verkleinerun| der Klassen), entstehen wird (Schätzung: 3Ö ÖÖÖ). Vor allerh aber kann er geltend machen, daß wir riur durch eine, Verbreiterung der hochqualifiziei t nicht nur ausgebildeten sondern auch gebildeten Schicht die Aufgaben bewältigen werden, die die kommenden Jahrzehnte stellen werden, In enger Verbindung mit dieser Köntr8vSrs6 steht die Kontroverse über die Begabüngsresefve und die Auslese. Der Rähmenplan geht davon aus, daß es urierschlossene Begabungseserven gibt, die einerseits durch genauere Ausesemethdden (daher die zweijährige Förderstufe statt der mehrtägigen Aufnahmeprüfung), anderseits durch ein besseres Schulklima erschlossen werden können. Er mißtraut den gegenwärtig üblichen Begabungstests und vertraut der "Plastizität" des MensehSn, der an fichtig gestellten Aüfgärjen wächst, Seifig Kritiker dagegeh hälterl äie legälungsresefveii für fast ausgeschöpft und stützte däffiit ihrg Thäsfes daß das Gymnasium gegen den gegenwärtige! "Massenandrang" ge"schützt werden müsse.

Wenige, aber nicht unbedeutende Kritiker gr&ifefl dil uReähthtili" und ihre Verlängerung um ein Jahr am Es sind zum Teil Freunde der "Einheitsschule", die" allenfalls zwei Bildungswe" e ä nicht äbeV weiterhin drei sehen möchten. Denn die angehobene zehnjährige Volksschule (nach dem Vorschlag des Rahmenplans: Grundschule + Förderstufe t- Hauptstufe) zusammen rriit einem reich ausgebauten Berufsund Fachschulwesen sei in der Lage, den Bedarf der Wirtschaft und Verwaltung nach besser ausgebildeten Kräften zu decken. Diese Kritiker möchten das Real- und Mittelschulwesen, dessen Bildurigsziel der "mittleren Reife" ihnen ohnehin zweifelhaft erseheint, einerseits in das modernisierte Gyninasiufn, andererseits in die Grund schule auflösen.

Dar Deütsehg Ausschuß hält eine solche AüflösUng des Blühenden mittleren Schulwesens riiiridSstens so länge für indiskutabel als das von ihni yörggschlägetie System der Förderstufe ütiil Grundschule nicht Voll redlisierf ish Eifi weiter Vörwürf, der auch aus dem Munde eines Ministers erscholl Und vor älleffl ift ehfistlierien Lehrer- und Elternkreisen erhoben wiräj beruht im Grühdg auf eiriem Mißverstand 1 Rech für alle in 1als. Der Rahmenplan fördere den "staatlichen Dirigismus": Er nehme die esistenzwiditige Entscheidung über den Bildungsweg der Kinder den Eltern und — spreche sie der "Schulbehörde" zu. In der Tat weist die Lehrerschaft der Förderrtufe die Kinder nach ihrer zweijährigga Erprobung einer der drei Oberstufen zu. Dabei bedarf es für den Übergang in die Realschule oder in das Gymnasium der Zustimmung der Eltern. Das scheint den Eltern, die gegenwärtig das Kind zur Aufnahmeprüfung anmelden, etwas zu nehmen — aber nur wenn man sich an da? Formale des Vorgangs hält. In Wahrheit entscheidet heute das Kollegium der aufnehmenden Schule nar h einer kurzen Prüfung und einem Gutachten der Volksschule, was nach den Vorschlägen de: Deutschen Ausschusses ein aus drei Lehrerkategorien zusammengesetztes Kollegium nach zweijähriger Beobachtung und vielfältiger Erprobung entscheiden soll. Der Plan gibt dem Pädagogischen viel mehr Raum, nicht zuletzt auch dem Zusammenwirken der Lehrer mit den Eltern. Heute gibt es im Augenblick der Schulwahl allenfalls den Rat des Volksschullehrers. Eine Zusammenarbeit mit den Lehrern der weiterführenden Schule kann es dagegen bei der Kürze und dem Charakter der Aufnahmeprüfung nicht geben. Während der beiden Jahre der Förderstufe aber ist sie möglich und in hohem Grade erwünscht. In Wahrheit tritt nach dem Rahmenplan der Staat (die Schulbehörde in ihrem, Verwaltungsakt) zurück, die Lehrer und die Eltern gewinnen Raum. Es ist schwer einzusehen wieso dadurch christliche Grundsätze verletzt werden könnten.

Es darf niemanden verwundern, daß schließlich ganz allgemein gegen den Rahmenplan vorgebracht wird, er sei "nicht real". Das kann natürlich im einzelnen, Punkt für Punkt, begründet werden und müßte ebenso in der Diskussion geklärt werden "Nicht real" ist allerding jede Reform, die von ihren Trägern nicht gewollt wird. Der Deutsche Ausschuß kann an die Parlamente, die Schulverwaltungen, die Lehrer, die Eltern appellieren, aber er ist auf ihren Willen angewiesen.

Nicht ernst nehmen kann man diesen Vorwurf der Irrealität, soweit er sich auf die Kosten stützt Wer das deutsche Schulwesen auf die Höhe der aktuellen Situation heben will, muß das Geld dafür aufbringen. Die deutsche Aufrüstung wäre sehr viel irrealer als die Schulreform gewesen, wenn die Kostenträger sie nidit eben für notwendig gehalten hätten.