Am 4. und 5. Juli wird am "Tag des Hochseefischers" in Hamburg in Anwesenheit von Bundesernährungsminister Dr. Lübke den etwa 6000 Männern an Bord der deutschen Fischdampfer und Logger Reverenz erwiesen. Gleichzeitig fällt der Startschuß für die diesjährige Schleppnetz-Heringssaison. Den Hochseefischern, die tagaus, tagein in der Nordsee, unter Island, unter Grönland und dicht unter der Grenze des ewigen Eises ihre Netze aussetzen, werden in Hamburg nicht nur gute Wünsche für eine stets glückliche Heimkehr und einen guten Fang nachgerufen; auch alle Hoffnungen, daß ihre schwere Arbeit sich lohnen möge, werden sie aufs Meer begleiten.

Als wirtschaftliche Kulisse steht hinter dem "Tag des Hochseefischers" diesmal das Ringen um die Marktreform, von der man sich bei den Reedereien, aber auch in den übrigen Sparten der Fischwirtschaft allerhand verspricht. Die Hochseefischerei möchte höhere Preise garantiert haben; die übrigen Sparten hoffen auf eine Konsumausweitung und damit ebenfalls auf einen etwas besseren Verdienst. Zu diesem Zweck soll das Auf und Ab der Preise in den Auktionen eingedämmt, das Streben nach besserer Qualität verstärkt und über die Gründung einer Seefisch-Absatzgesellschaft, die alle Fänge der Hochseefischerei anbieten wird, das Marktbewußtsein der Produktionssparte verfeinert werden. Nach Bonner Ansicht war von letzterem bisher nicht viel zu spüren. Kein Wunder eigentlich, denn, die Produktion war vom Markt weithin abgeschirmt durch die Seefischmarkt-Verwaltungen, die an den vier großen Fischplätzen der Bundesrepublik die Auktionen durchführen.

So einhellig sich indes die Auffassung dem Betrachter darstellt, daß alle Sparten der Fischwirtschaft an einem Strang ziehen, so verschieden sind doch in den Kulissengesprächen die Meinungen über den erforderlichen ersten Schritt. Während die Hochseefischerei aus verständlichem Geschäftsinteresse zuerst die Absatzgesellschaft und höhere Preisgarantien verwirklicht sehen möchte, beabsichtigen die nachfolgenden Bereiche zum Teil gleich ein ganzes Bukett von gesetzlichen Maßnahmen, Verordnungen und Absprachen durchzudrücken.

Im Hintergrund hat das Bundesernährungsministerium nach altbewährter Manier schon seinen Zeigefinger erhoben und dräuend verkündet, daß – wenn nicht wenigstens der Rahmen für eine Marktreform geschaffen würde, und zwar aus Eigeninitiative – der bis zum 15. Juli garantierte Mindestpreis kaum noch verlängert werden dürfte. Snl.