R. S., Bonn

Einer Gruppe von 30 Mannequins und Photomodellen gelang es letzte Woche, in die Bannmeile des Bundeshauses in Bonn einzudringen. Die Polizei, machtlos gegenüber soviel Schönheit und Charme, ließ die Damen passieren. Mehrere Abgeordnete gerieten in eine Situation, die ihnen vielleicht nur deshalb peinlich war, weil sie photographisch festgehalten wurde. Der niedersächsische Ministerspräsident Hinrich Kopf indes stellte sich der Attacke der Bildreporter: "Nun schießt man los! Mein Ruf ist sowieso ruiniert!"

Auch den FDP-Ageordneten Zoglmann umdrängten die Schönen. Er riet ihnen: "Seid nur hübsch brav, wenn ihr zu dem Blank kommt! Der ist sehr katholisch" Theodor Blank war nämlich der Mann, auf den die Damen es abgesehen hatten. Sie nehmen es dem Minister übel, daß er eine auf Gewinn gerichtete Arbeitsvermittlung nur für Künstler und nicht für Mannequins und Photomodelle zulassen will.

Schließlich gelang es den Mannequins, den Bundesarbeitsminister einzukreisen. Die Photographen hatten ihre große Stunde. "Bitte ins Licht, Herr Minister!" Und dann: "Und ihr hebt jetzt die Plakate!" (Blaue Zettel mit einer Begründung des Protestes).

Befehlsgemäß schwenkten die Mannequins die Protestdokumente. Blank zog sich geschickt aus der Schlinge: Angesichts von so viel Schönheit fühle er sich außerstande, eine Entscheidung zu treffen. Aber er sagte der Chefdemonstrantin zu, daß er mit ihr sprechen wolle,

Das Bundesarbeitsministerium vertritt die Ansieht, daß nur in wenigen Modezentren ein nennenswerter Bedarf an Mannequins bestehe, In diesen Städten – Berlin, Düsseldorf, München, Wiesbaden, Hamburg – seien auch die Arbeitsämter auf die Vermittlung von Mannequins eingerichtet. Anderswo aber sei die berufliche Basis für Mannequins und Photomodelle als Existenzgrundlage zu schmal.

Dort gilt wohl das vielbelächelte Wort des Abgeordneten Koenen: "Schöne Mädchen läßt man sich nicht durch das Arbeitsamt vermitteln