De Gaulles Italienbesuch: Erfolge – und doch nicht erfolgreich

A. d. F., Rom‚ Anfang Juli

Geht man von den Spekulationen aus, die Frankreichs Presse an den Staatsbesuch in Italien geknüpft hatte und die der französische Staatspräsident zu Beginn seiner Reise durch seine Worte noch höher schraubte ("Meint Besprechungen mit der italienischen Regierung werden von großer Tragweite für Europas Einheit sowie für die Welt sein"), so erscheinen die offiziell bekanntgegebenen Ergebnisse der italienisch-französischen Gespräche recht enttäuschend: Kein Mittelmeerpakt, keine Anerkennung des französischen Führungsanspruches in Westeuropa, keine moralische Unterstützung der französischen Algerienpolitik, keine Achse Paris-Rom.

Im Abschlußkommunique erscheint als das einzig Konkrete der von beiden Ländern geäußerte Wunsch nach Einberufung einer Konferenz der westlichen Außenminister in Genf noch vor Beginn der zweiten Phase der west-östlichen Verhandlungen. Zu dieser Vorkonferenz soll der italienische Außenminister Pella hinzugezogen werden. Paris legt auf eine engere Konsultation der Italiener offenbar großen Wert. Eine Stabilisierung der west-östlichen Beziehungen – so heißt es weiter zu diesem Punkt im Kommuniqué – darf Westeuropas Sicherheit nicht beeinträchtigen.

Alles übrige ist verschwommen: so der Passus, der die Notwendigkeit einer Vertiefung der Zusammenarbeit der westlichen westeuropäischen Länder besonders auf politischem Gebiet betont; so auch der Gedanke, daß Westeuropa den unterentwickelten Mittelmeergebieten ohne Rücksicht auf deren politische Stellung helfen müsse. Italien hat im eigenen Süden und Frankreich in Algerien alle Hände voll zu tun.

Gewiß aber hat de Gaulle bei seinem Italienbesuch trotz allem manches erreicht. Vor allem hat er einen großen psychologischen Erfolg errungen. Das Mißtrauen führender politischer Kreise in Italien gegen ihn ist offenbar geschwunden. Man zweifelt nicht mehr an seinem Willen, Europa zu stärken – ein Europa freilich, das er als eine "Union des Patries" begreift. Der spontane Jubel, mit dem die Bevölkerung der Lombardei de Gaulle bei seinem Besuch der Schlachtfelder von 1859 begrüßte – damals vertrieben französische und italienische Truppen das österreichische Heer aus der Lombardei –, hat auf der anderen Seite wohl auch die französischen Ressentiments gegenüber Italien, das 1940 Frankreich angriff, als es schon von den deutschen Truppen überwältigt war, endlich ausgelöscht.