Höchste Preise in Hamburg

Der Sieg, den die sowjetischen Springreiter kürzlich beim großen Pariser Turnier um den "Preis der Nationen" errangen, war das sensationelle Geschehnis, mit dem die UdSSR ihren Anspruch auf internationale Gleichberechtigung jetzt auch im Reitsport durchgesetzt hat. Ihr Durchbruch nach vorn ist früher gekommen, als die meisten Experten es erwartet hatten, und das heißt: Wir müssen nunmehr stets mit den sowjetischen Reitern rechnen, die vor drei Jahren – nach einer jahrzehntelangen Pause – bei den Stockholmer Olympischen Reiterkämpfen zum erstenmal wieder am internationalen Reitsport teilgenommen hatten. Was den auf französischem Boden errungenen Sieg der Russen am 21. Juni neben manchem anderen so interessant gemacht hat, waren ihre Pferde: durchweg Vollblüter, mit erstaunlichem Springvermögen. Dergleichen sah man auf unseren Turnierplätzen von reinen Vollblütern nicht oft.

Die deutsche Vollblutzucht wird sicherlich alle Anstrengungen machen, um dieser neuen Konkurrenz zu begegnen. Nach der letzten Ausgabe des "Allgemeinen Deutschen Gestütbuches" gibt es schon wieder 2500 Vollblüter (gegenüber 5000 vor dem Krieg). Von ihnen werden zur Zeit 1500 für den Rennsport trainiert, die anderen stehen der Zucht – zum Teil auch der Halbblutzucht – zur Verwendung.

Gute Kunde kommt von den Rennbahnkassen. In der ersten Hälfte dieses Jahres haben 20 v. H. mehr Menschen die 52 Galopprennbahnen in der Bundesrepublik besucht, als zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr. Und nicht zuletzt erfreuen sich die Reitervereine zunehmenden Interesses. Der Motor hat das Pferd noch nicht ganz verdrängen können. Wir werden das jetzt wieder in Hamburg erleben.

An diesem Wochenende findet auf der Horner Rennbahn das dreitägige Derby-Treffen statt, das seinen Höhepunkt am Sonntag mit dem Deutschen Derby erreicht. Man rechnet wieder mit einem Derbyfeld von etwa fünfzehn bis siebzehn Pferden. Mit vier Pferden rückt allein das Gestüt Röttgen an, dessen Geschick es ist, 1932 zum ersten und bisher auch einzigen Male den Sieg erfochten zu haben. Ob die jetzige Gestütsherrin, Frau Maria Mehl-Mühlens, diesmal Glück haben und einen Derby-Sieger zur Waage geleiten wird – wer weiß es.

Auf das Derby folgt alsbald, ebenfalls in Hamburg, im Stadtteil Klein-Flottbek, veranstaltet vom "Vereinigten Norddeutschen und Flottbeker Reiterverein" das Deutsche Spring-, Dressur- und Fahrderby. Das Turnier beginnt am Mittwoch, dem 8. Juli, der zugleich "Tag der Jugend" ist. Die Hamburger Schüler genießen deshalb auch die Gunst, freien Eintritt in Klein-Flottbek zu haben. Zu den insgesamt siebenundzwanzig Prüfungen sind rund 1500 Nennungen abgegeben worden. Außer den Reitern der Bundesrepublik werden Schweden, Norweger, Dänen, Briten, Holländer, Schweizer erscheinen, und die Italiener mit dem Weltmeister der Springreiter, Raimondo d’Inzeo, und seinem jüngeren Bruder, Piero, der jüngst in Paris Europameister geworden ist. Erfreulich ist vor allem, daß neben unserer gesamten westdeutschen Elite auch wieder Reiter aus der Sowjetzone reiten und fahren werden. Für die Derby-Turnierprüfungen, die am übernächsten Sonntag beendet werden, stehen mit 42 000 Mark wieder die höchsten Geldpreise aller ähnlichen deutschen Wettbewerbe bereit; sie stehen auch im Vergleich mit dem Ausland an der Spitze. w. f. k.