Warum ausländische Aktien kaufen?

In vielen Wertpapier-Fachblättern und sogenannten "vertraulichen" Informationsdiensten wird immer wieder der Rat gegeben, sich auch einmal auf den ausländischen Wertpapiermärkten umzusehen und ausländische Aktien zu kaufen. Herr Securius hat ebenfalls Empfehlungen in dieser Richtung gegeben. Der Kauf ausländischer Wertpapiere durch deutsche Bundesbürger mag für die Bundesbank und die Bundesregierung recht nützlich sein, weil damit die Devisenüberschüsse etwas abgebaut werden und die Begehrlichkeit anderer Staaten auf unseren Devisenbestand nicht mehr wächst, aber für den einzelnen Staatsbürger sind solche Ratschläge nicht gerade sehr nützlich – wie die letzten Wochen gezeigt haben.

Beweis: Als vor einigen Wochen die ersten Intervest-Zertifikate (Invesfmentfonds für ausländische Wertpapiere) zum Verkauf gestellt wurden, kosteten sie 85 DM; mit Mühe und Not wurden sie jetzt auf 87,60 DM heraufgebracht. Wenn Sie aber gleichzeitig die Preisbewegung derjenigen Fonds verfolgen, die nur deutsche Aktien enthalten, dann sehen Sie, wo die besseren Chancen gelegen haben. Warum soll ich ausländische Aktien kaufen? P. M., Stuttgart

Antwort: Zunächst muß hier eindeutig gesagt werden, daß in diesem Teil der ZEIT niemals Anlagehinweise gegeben werden, um eine bestimmte Politik der Bundesbank und der Bundesregierung zu unterstützen. Hier wird keine "große" Politik gemacht, sondern wir versuchen an dieser Stelle herauszufinden, was für den Sparer selbst am nützlichsten ist. Wir haben uns nicht gescheut, auf den jährlichen Kaufkraftschwund der DM hinzuweisen, als diese Frage noch aktuell war, und haben unseren Lesern gesagt, wie man sich dagegen schützen konnte (nicht gerade zur Freude derjenigen, die den Kaufkraftschwund gern totgeschwiegen haben wollten). Schon daraus mögen Sie erkennen, daß wir immer die Interessen der "Anleger" im Auge haben, wenn Sie uns diese Redensart hier einmal gestatten. Und tatsächlich glauben wir, daß es nützlich ist, das Anlagerisiko jetzt auch auf das Ausland zu verteilen. Dabei sind wir uns durchaus bewußt, daß die dadurch vergrößerte Sicherheit auch einmal durch Verzicht auf Kursgewinne bezahlt werden muß. Alle Wertpapierexperten sind sich nach wie vor darüber einig, daß das gegenwärtig erreichte Kursniveau der deutschen Aktien vorerst nur durch politische Gefahren bedroht werden kann. Täuschen wir uns doch nicht, die deutschen Börsen bleiben gegen Ostwind besonders empfindlich! Deshalb kann es nur nützlich sein, wenn man das Anlagerisiko auch geographisch streut. Es ist wirklich nur ein Zufall, wenn der Erwerb ausländischer Wertpapiere zur Zeit auch "volkswirtschaftlich" erwünscht ist.

Übrigens gibt es in den USA, Kanada, Österreich, Frankreich und England einige Aktien, deren Rendite sich durchaus sehen lassen kann. Sicher, die Renditen werden oftmals durch Steuern vermindert – aber das ist auch bei uns der Fall. Es ist durchaus eine Situation denkbar, in der gerade diese Papiere einen Aufschwung erleben werden, während gleichzeitig der deutsche Aktienmarkt stagniert.