R. H. Hamburg

Auch wenn Sie eine so schöne Wohnung haben, bedeutet das nichts. Der Mensch fängt doch erst beim Akademiker an."

Eine handgeschriebene Botschaft dieses Inhalts fand kürzlich eine Hamburger Hausfrau im Briefkasten. Sie hatte sich den Zorn eines jungen Mannes zugezogen, den sie zwar freundlich hereingebeten, dem sie aber nicht die Rasierklingen abgekauft hatte, die sie nicht brauchte, und nicht die Seife, die sie nicht riechen mochte.

Freundlich war der junge Mann erschienen: "Ich bin Student und verdiene mir auf diese Weise mein Semestergeld." Er hatte lässig-liebenswürdig die kleinen Päckchen aus einer Aktentasche hervorgeholt. Worte und Gesten drückten aus: Bitte – mit Hausieren hat dies nichts zu tun. Mit einem Hausierer wäre die Hausfrau rasch fertig geworden. Der junge Herr aber kostete sie zehn Minuten. Und den Ärger mit dem Zettel.

"Siehst du", sagte sie abends zu ihrem Mann, "als ich vorigen Monat auf die Programmzeitschrift abonniert habe, die ein anderer Student an der Tür anbot, da warst du böse. Das haben wir nun davon."

"Siehst du", sagte der Ehemann, "ich habe dir neulich schon gesagt, daß nicht alle, die es zu sein behaupten, wirklich Studenten sind."

Am nächsten Morgen setzte er sich wütend ans Telephon, um der studentischen Arbeitsvermittlung einmal gründlich die Meinung zu sagen. Das machte jedoch nur halb soviel Spaß wie erwartet, denn beim Studentenwerk war man ganz seiner Meinung.