Ein wirtschafts- und sozialstatistisches Taschenbuch vergleicht Ost und West, Industrie-und Entwicklungsländer

Im allgemeinen gehören statistische Werke nicht zu den Büchern, die breite Leserkreise im Sturm erobern. Wie unbegründet jedoch der beliebte Vorwurf der trockenen Materie die Adresse wirklicher Statistiker ist, stellt jeder fest, der in dem kürzlich erschienenen Werk von Rolf Wagenführ, "Die Welt in Zahlen; Ein wirtschafts- und sozialstatistisches Taschenbuch" blättert.

Das Buch ist ein Nachschlagewerk. Seine Vorzüge liegen jedoch nicht in der Vollständigkeit, sondern in der Auswahl und Darbietung des Materials. Die Zahlenreihen sind nicht wahllos aneinandergereiht; sie folgen dem bis zur letzten Seite straff durchgeführten Schema der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

Wer das Buch systematisch durcharbeitet, sieht den gesamten Wirtschaftsprozeß vor sich. Er erfährt zunächst das Wesentliche über die produktiven Kräfte – die Erde, die Bevölkerung, die Erwerbstätigkeit, die natürlichen Reichtümer und die Sachanlagen – dann über die Güterproduktion, die Bedeutung der Dienstleitungen, des Außenhandels und schließlich über die Einkornmensverteilung und die Einkommensverwendung.

Leute, die Bücher vom Anfang bis zum Schluß aufmerksam durchlesen, gehören heute zu den eher seltenen Erscheinungen. Die meisten Leser werden auch Wagenführs "Welt in Zahlen" nur kursorisch oder aufs Geratewohl konsultieren. Aber selbst bei solchem abgekürzten Verfahren macht man überraschende Entdeckungen.

Das Gespenst von Malthus

Mit einer gewissen Unruhe wird man beispielsweise zur Kenntnis nehmen, daß die Erdbevölkerung, die im Jahre 1650 noch 470 Mill. Menschen gezählt haben dürfte, bis 1956 mit ständig steigender Zuwachsrate auf 2737 Mill. angestiegen ist und sich bis zum Jahre 2000 voraussichtlich auf 6267 Mill. vergrößern wird. Fragt man sich besorgt, wie weit denn angesichts dieser Entwicklung die Rohstoffreserven reichen werden, so findet man auch dafür einige Anhaltspunkte (die freilich, wie der Verfasser betont, mit Vorsicht aufzunehmen sind). Werden die Fördermengen der letzten Jahre zugrunde gelegt, so zeigt sich, daß die festen Brennstoffe noch rund 2000 Jahre genügen. Die Eisenerzlager dagegen werden in gut 400 Jahren erschöpft sein, und bei den Erzen der NE-Metalle Kupfer, Chrom, Blei, Zink und Zinn spitzt sich die Lage schon in den nächsten 25 bis 40 Jahren bedenklich zu; das gleiche gilt vorläufig für Erdöl und Erdgas. Auf dem Energiesektor wird jedoch in Zukunft die Atomkraft eine immer bedeutendere Rolle spielen – und es ist tröstlich zu wissen, daß die bis jetzt bekannten Vorräte an Uran und Thorium das 25fache der wirtschaftlich nutzbaren Kohlenreserven ausmachen...